Das hilft wirklich bei Prokrastination und Schreibblockaden: Iss deinen Frosch

grüner Frosch

Bist du anfällig für Prokrastination? Leidest du unter unerklärlichen Schreibblockaden und dem Gefühl, dass nichts vorwärtsgeht? Vielleicht hilft dir dann dieser Tipp. Eigentlich wissen wir es alle, aber dieser Frosch-Vergleich ist so genial, dass man plötzlich überall nur Frösche sieht …

Aber von vorne. Neulich las ich ein Buch über Zeitmanagement. Auf den ersten Blick hat Zeitmanagement nichts mit der Schriftstellerei zu tun, aber wenn man genauer hinschaut, dann eben doch eine ganze Menge!
Falls dich das Buch interessiert: Es war Bachelor of Time: Zeitmanagement im Studium von Tim Reichel. Es ist ein gut strukturiertes, informatives Buch, aber besonders im Kopf geblieben ist mir dieses Beispiel mit dem Frosch.

Geprägt hat diesen Ausdruck „Eat That Frog“ allerdings Brian Tracy  (amerikanischer Managementforscher und Buchautor), der ein ganzes Buch darüber geschrieben hat. Sein Buch habe ich nicht gelesen, aber ich dachte mir, dieses Prinzip mit dem Frosch kann man doch wunderbar auf uns Autoren übertragen.

Hm, einen Frosch essen? Was soll das bedeuten?

bunter Frosch mit roten AugenDer Frosch steht hierbei stellvertretend für all die Tätigkeiten, die dir unangenehm sind und die du deswegen schon ewig vor dir herschiebst. Ein typischer Auslöser von Proakrastination eben. So ein Frosch ist glitschig und deshalb nicht leicht anzupacken, außerdem hüpft er weg, wenn man ihn sich mit ihm beschäftigen will und zu guter Letzt sorgt er durch sein lautes Quaken dafür, dass man ihn nicht verdrängen und wegschieben kann. Genau wie eine blöde, unangenehme Aufgabe.
Jetzt ist Schreiben für uns Schriftsteller ja keine blöde, unangenehme Aufgabe. Trotzdem erfordert Schreiben, Plotten, Charakterentwicklung und was da alles so anfällt, eine große Menge Gehirnaktivität. Und das ist sehr anstrengend!
Weil es so viel Energie kostet, ist Ablenkung, die das Gehirn eher einlullt als zum Arbeiten auffordert, immer willkommen. Das ist der Grund, warum wir so gerne in Facebook herumhängen anstatt zu schreiben. Warum wir plötzlich anfangen, die Bude zu putzen, anstatt zu schreiben. Weil uns das kein Gehirnschmalz kostet. Und so weiter …

Eat That Frog First

Im Zeitmanagement wird dir geraten, deinen persönlichen Frosch gleich nach dem Aufstehen zu verzehren, quasi zum Frühstück. Das ist natürlich die beste Vorgehensweise, was generell unangenehme Dinge betrifft. Denn sonst schleppst du dieses blöde Gefühl, noch unbedingt dies und das erledigen zu müssen, den ganzen Tag vor dir her. Und das belastet deine Gedanken und deine Produktivität. Du hast keinen freien Kopf!
Nun ist es aber so, dass nicht jeder gleich morgens Zeit zum Schreiben hat. Vielleicht bzw. hoffentlich hast du dir aber eine bestimmte Schreibzeit reserviert, z.B. wie ich abends um 20 Uhr.
In diesem Fall musst du deinen persönlichen Schreib-Frosch eben sofort am Abend oder wann deine Schreibzeit nun eben ist, lecker anrichten und gleich verspeisen. Nicht noch erst deine Mails lesen oder dich in anderen Dingen verlieren!
Iss konsequent deinen Frosch, das heißt, setz dich hin und schreib dein Tagesziel herunter. Danach kannst du dich belohnen und deinem Gehirn eine Pause gönnen, indem du dich vom Fernsehen berieseln lässt oder sonstwas. Aber verzehre zuerst deinen Schreib-Frosch!

Ein paar Tipps zum Frösche-Essen

  • Fang dir schon mal deinen Frosch ein
    Überlege dir schon am Tag vorher, welchen Frosch du morgen essen musst. Also, wie viele Wörter du schreiben möchtest, an welcher Szene du weiterarbeiten willst, ob du Charaktere entwickeln oder überarbeiten musst.
  • Setze Prioritäten
    Hier gilt ganz klar die Regel: Wenn du zwei Frösche essen musst, nimm dir den dicksten und lautesten, sprich den unangenehmsten und dringendsten Frosch als erstes vor.
    Also nicht an der nächsten Geschichte weiterarbeiten, weil du keine Lust zum Überarbeiten deines fertigen Romans hast. Wie lange soll er denn noch in der Schublade liegen, bevor du ihn an Verlage schickst?
    Du erkennst den hässlichsten Frosch daran, dass du ihn am liebsten gar nicht anschauen möchtest. Sprich, du willst die Aufgabe verschieben oder etwas anderes erledigen. Nein, nein, rede dir nicht ein, dass ein anderer Frosch genauso scheußlich ist wie dieser. Dieser eine ist besonders glitschig, eklig und dringend. Fang mit diesem an!
  • Zerteile dir deine Frösche in sinnvolle Abschnitte
    Natürlich schaffst du es nicht, an einem einzigen Tag ein ganzes Buch zu überarbeiten. Also musst du deinen Frosch ein wenig zerteilen, aber schneide ihn nicht in zu kleine und auch nicht in zu große Stücke.
  • Mach es dir einfach
    Schraube die Ablenkungen auf ein Mindestmaß herab. Also setz dich möglichst so hin, dass du nicht dauernd versucht bist, aus dem Fenster die Leute zu beobachten, die an der Bushaltestelle herumstehen. Schalte dein Internet aus (übrigens hier ein Tipp: Es ist möglich, dein WLAN zeitlich einzugrenzen. Bei uns funktioniert das WLAN erst ab 12 Uhr mittags und endet Punkt 22 Uhr. Der Vorteil hierbei ist die auf Null abgesenkte Strahlung nachts und dass wir alle nach 22 Uhr nicht mehr so ohne Weiteres surfen können ;-). Du kannst dir natürlich andere Zeiten einrichten.). Richte dir Getränke schon vorher hin. Und so weiter.
  • Fang sofort an!
    Mach dir klar, dass es nichts bringt, deinen Frosch fröhlich quakend im Teich schwimmend zu beobachten. Fangen und essen musst du ihn doch irgendwann. Vielleicht motiviert dich dieser Gedanke. Trainiere diese Gewohnheit. Es wird wirklich von Mal zu Mal leichter, ihn sofort zu essen!

Meine Erfahrungen mit dem Schreib-Frosch

Wenn ich es geschafft habe, gleich beim ersten Hinsetzen an den Computer mein aktuelles Projekt zu öffnen, lief alles super. Selbst wenn ich aus irgendeinem Grund unterbrochen wurde, fiel es mir nicht schwer, gleich wieder hineinzukommen und weiterzuarbeiten. Und die Motivation und das Hochgefühl, etwas geleistet zu haben, stieg.
Anders lief es, wenn ich mir „nur kurz” erlaubte, Mails zu checken oder dies und das im Internet nachzuschauen. Dann wurde meist aus dem „nur kurz” halt ein „doch etwas länger” und im schlimmsten Fall ein „heute nicht, morgen …”. Die Gefahr ist echt groß!
Wenn ich es dann doch schaffte, mit dem Arbeiten anzufangen, war ich deutlich unkonzentrierter und irgendwie störungsanfälliger durch Ablenkungen.
Mittlerweile hat sich bei mir die Gewohnheit etabliert, diesen quakenden Schreib-Frosch schnell zu essen. Hinterher ist man schön satt und zufrieden …

„Eat That Frog First” ist zwar ein einfacher Vorschlag, aber genial …

Frosch und Schmetterling… wenn man es schafft, ihn umzusetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du bist schneller durch, dein Kopf ist frei von belastenden Gedanken, du hast das Gefühl, etwas geschafft zu haben und so weiter.
Leider ist es halt manchmal nicht so einfach, sich solche Gewohnheiten anzutrainieren. Vielleicht helfen dir auch diese Tipps, um deinen Frosch mit Genuss zu verspeisen 😉 .
Dieses Prinzip gilt natürlich nicht nur fürs Schreiben, denn wie gesagt, „Eat That Frog FIrst” stammt aus dem Zeitmanagement und betrifft eigentlich alles, was wir so vor uns herschieben.

Wenn du dich also wunderst, warum du nicht weiterkommst mit deiner Geschichte, wenn du anfällig für Prokrastination bist oder es dir unbewusst immer einfach machst und dich mit Nebensächlichkeiten beschäftigst, könnte das Frosch-Essen etwas für dich sein.

Was ist dein größter Frosch? Hilft dir der Ratschlag, deinen Frosch zuerst zu essen? Teile gerne deine Erfahrungen!

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