7 Tipps, wie du einfach und rasch passende Namen für deine Romanfiguren findest

Venezianische Maske - passende Namen für deine Romanfigur

Nomen est omen – das wussten schon die alten Römer. Deshalb stellt sich jedes Mal, wenn ich eine neue Geschichte entwerfe, die drängende Frage nach den passenden Namen meiner Romanfiguren. Vor allem der für den Protagonisten ist wichtig und da ist es nicht sinnvoll, irgendeinen Namen zu nehmen, der mir gerade durch den Kopf schwirrt. Nein, der Name sollte im Idealfall schön klingen, von der Bedeutung her passen und kulturell und zeitlich ebenfalls.

Das ist gar nicht so einfach. Die Namensfindung verbraucht oft richtig viel Zeit, die du dir auch unbedingt nehmen solltest. Deine Leser werden zu einem „Kevin” eine andere Assoziation im Kopf haben als zu einem „Hans”, von daher lohnt es sich, sich Mühe zu geben.

Hier zähle ich einige Punkte auf, die du bei der Namensfindung beachten solltest.

1. Dein Genre

Schreibst du historische Romane, musst du natürlich Namen auswählen, die für die jeweilige Zeit typisch waren. Beachte auch geographische Besonderheiten. Einen „Thor” findest du eher im Norden, während du einen „Abbott” vermutlich im alten England antreffen wirst.

Schreibst du Jugend- oder Kinderbücher, wirst du dich an den gängigen Namen orientieren. Super sind da auch Listen mit den Top-10- oder Top-100-Namen für Jungen und Mädchen auf entsprechenden Babynamen-Seiten wie beliebte-vornamen.de, baby-vornamen.de und vorname.com. Mit diesen Namen kannst du sicher nichts falsch machen.

Bei Büchern für ganz junge Kinder kann der Name sogar etwas über die Figur verraten, etwa „Bob der Baumeister” oder „Leo Lausemaus”. Diese zwei sind übrigens ganz tolle Beispiele dafür, wie mit dem Klang gearbeitet wurde und außerdem sind die (Vor-)Namen kurz und und durch die Alliteration extrem einprägsam.

Im Prinzip wirst du in allen Genres, die in der Gegenwart spielen, gängige und lokalbezogene Namen brauchen, die du aber leicht in den oben genannten Seiten finden kannst.

Wenn du hingegen eher im Fantasy-Bereich tätig bist, kannst du deine Fantasie spielen lassen. Mir macht es ungeheuer Spaß, Fantasynamen zu erfinden, aber auch hier gibt es einige Dinge zu beachten. Dazu würde sich eigentlich ein eigener Artikel lohnen … aber bleiben wir erstmal bei den „normalen” Namen.

2. Der Klang

Der Klang eines Namens sollte zum Charakter der Figur passen. „Horst” zum Beispiel hat viel harte Laute und man assoziiert eher einen wortkargen, skrupellosen älteren Mann als einen jungen, athletischen Teenager. Weiche Namen, die m’s oder l’s enthalten, passen eher zu sanftmütigen Charakteren, während du dem bösen Antagonisten ruhig ein paar Zischlaute wie s oder sch oder harte Plosive wie p, t, k verpassen kannst. Zu den „Bösen” passen auch eher dunkle Vokale wie u und o, aber auch zu geheimnisvollen oder undurchsichtigen Personen, über deren Absichten sich der Leser nicht gleich im Klaren sein soll. A, e, i klingen dagegen eher hell und fröhlich.

3. Die Bedeutung

Jeder Name hat eine Bedeutung, die man leicht in den oben genannten Webseiten herausfinden kann. Idealerweise passt natürlich die ursprüngliche Bedeutung des Namens zu deinem Charakter. Manchmal ist es sogar so, dass der Name Programm ist. Man denke hier an den Herrn Lefuet aus Timm Thaler, dessen Name cleveren Lesern, die ihn rückwärts lesen, ziemlich viel verrät. Manchmal ist es allerdings nicht so günstig, wenn der Name gleich so durchschaubar ist. Hier muss man einfach abwägen.

In meinen aktuellen Romanprojekt suchte ich einen Namen mit der Bedeutung „Heilerin” für meine Protagonistin und stieß gleich auf einen wohlklingenden griechischen Namen, der mir ziemlich gut gefiel. Aber prompt entwickelte sich der Plot in Richtung südländisch und Griechenland, was mir wiederum gar nicht zum Gesamtkonzept passte, da die Geschichte eher im Norden spielen sollte. Tja, was tun? Natürlich könnte ich den Namen einfach lassen, schließlich tragen viele Menschen Namen mit Bedeutungen, die sie meist noch nicht mal kennen. Aber in einem Roman ist das etwas anderes. Hier arbeiten Autoren mit Bildern, Hinweisen, Metaphern und allerlei ähnlichen Stilmitteln, sodass das eigentlich nicht in Frage kommt.

Des Weiteren rufen gewisse Namen Assoziationen hervor. Dies kann gewollt sein oder aber auch zu vermeiden. Zum Beispiel würde sicher niemand seinen Held „Adolf” nennen, während das bei einem Antagonisten eventuell der Fall sein könnte. Dieser Name ist aber dermaßen negativ besetzt, dass man mit seiner Verwendung wirklich vorsichtig sein sollte.

Auch mit „Kevin” oder „Jacqueline” oder „Chantal” verbindet man gewisse Eigenschaften, die man entweder bewusst einsetzen kann oder eben vermeidet. Sorry an alle, die so heißen. Oder wen zum Beispiel würdest du Alexander nennen, den reichen Automobilerben oder den Penner von der Fußgängerzone?

Persönliche Assoziationen gibt es natürlich auch, jeder kennt bestimmt Leute, die total doof sind und hat bei dem gleichen Namen ein entsprechend negatives Bild. Aber das trifft ja nur im Einzelfall zu und als Autor kannst du es natürlich nie allen recht machen.

4. Die Aussprache

Manche unausprechlichen Namen können vor allem in Fantasy-Büchern zur Qual für den Leser werden. Zum einen fragt man sich, wie um alles in der Welt wird „O´Daghirithe” ausgesprochen und zum anderen hat so manch einer Probleme, sich solche Namen zu merken.

Natürlich macht es Spaß, sich fremdklingende Namen für seine Fantasy-Welt auszudenken. Ich muss zugeben, auch ich habe meine Drachenwelt mit zum Teil seltsam klingenden Namen für einzelne Personen ausgestattet. Denn ein Troll, der „Peter Kaufmann” heißt, ist nun wirklich schwer vorstellbar und klingt auch lächerlich. Aber man sollte es mit den exotisch klingenden Namen nicht übertreiben. So habe ich darauf geachtet, dass zumindest meine Protagonisten, die aus der fremden Welt stammen, eingängig klingende Namen haben, die gut auszusprechen und zu merken sind. Bei den Nebenfiguren war ich nicht ganz so streng … obwohl ich es heute wahrscheinlich anders machen würde.

5. Ausgefallene versus gewöhnliche Namen

So drängt sich manchmal das Gefühl auf, dass normal klingende Namen wie Julia oder Anna einfach zu langweilig sind. Das mag durchaus sein. Ausgefallenere Namen scheinen sich besser einzuprägen als gewöhnliche Namen, vor allem noch in Kombination mit einem gewöhnlichen Nachnamen.Chantal Müller merkt man sich besser als Chantal Revieux, oder?

Da hab ich selbst leider schlechte Karten. Mein Name ist dermaßen gewöhnlich und noch dazu sehr häufig, sodass ich mir eigentlich überlegt habe, unter einem Pseudonym zu schreiben. Aber verflixt noch mal, ich habe mich an diesen Namen so gewöhnt, dass ich beschlossen habe, diesen Marketingnachteil in Kauf zu nehmen.

Meine ehemalige Chefin, die Sachbücher schreibt, betonte immer wieder, dass sie bei ihrer Hochzeit extra einen Doppelnamen angenommen hat, um einen einprägsamen Namen zu erhalten. Hätte ich das doch auch mal gemacht! Denn Doppelnamen, besonders wenn sie lang sind und abstrus klingen, prägen sich tatsächlich nahezu unauslöschlich ins Gedächtnis ein. Ihr kennt Bibi Blocksberg? Dann ist euch sicher Frau Müller-Riebensehl, die Lehrerin, ein Begriff!

Allerdings können auch in anderen Genres als Fantasy fremdartig klingende Namen nerven. Ein guter Mittelweg scheint hier die richtige Wahl zu sein.

Gewöhnliche Namen sind aber bei Nebenfiguren, die vielleicht nur zwei-, dreimal auftauchen, durchaus angebracht. Schließlich sollen sie deiner Hauptfigur nicht durch einen auffallenden Namen die Show stehlen.

6. Die Unterscheidbarkeit

Wenn du deine Figuren benennst, bedenke bitte auch, dass ein Leser deine Geschichte in ein paar Stunden (je nachdem) durchliest. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist er nicht in der Lage, sich tausende, womöglich noch ausgefallene Namen zu merken und kommt mit ähnlichen Namen ziemlich durcheinander. Schließlich hat er nicht die Zeit wie im reelen Leben, die Figuren ausgiebig kennenzulernen, sondern muss sich schon nach einer kurzen Einführung etliche Namen merken.

Hier kannst du deinen Leser wunderbar unterstützen, indem du darauf achtest, dass sich die Namen gut unterscheiden. Achte auf unterschiedliche Längen, unterschiedliche Anfangsbuchstaben und einen unterschiedlichen Klang. Also eher Helena und Ida statt Angelina und Alina. Eher Peter und Maximilian statt Robby und Tobi.

7. Hilfreiche Webseiten zur Namensfindung für deine Figuren:

beliebte-vornamen.de, baby-vornamen.de und vorname.com:
Diese Seiten dienen eigentlich für werdende Eltern zur Inspiration, lassen sich aber auch für unsereins gut nutzen, um über Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von Namen zu recherchieren.

Namensgeneratoren:

Mikronationaler Namensgenerator: Suchst du Vor- und Nachnamen für deine Figur, so bist du hier an der richtigen Adresse. Du kannst zwischen verschiedenen Herkunftsländern auswählen, aus denen dein Name kommen soll.

http://www.behindthename.com/random/ : Dieser Namensgenerator (engl.) hat noch mehr Einstellungen, so kannst du zwischen etlichen Sprachfamilien wählen, einstellen ob ein Zweitname dabei sein soll und/oder ein Nachname. Nun ja, wenn ich „German” einstelle, kommt sowas raus wie Katharina Kiki Hüber oder Isabelle Erna Hauer.

Namensgenerator für Fantasy-Namen:

http://www.rinkworks.com/namegen/ : Dieser Namensgenerator (engl.) hat allerlei Einstellungen, wie kurze oder lange Namen, Namen mit Apostroph, Namen mit vielen Konsonanten etc.
http://www.fantasynamegenerators.com/ : Hier kannst du nicht nur Namen in allen möglichen Sprachen für deine Figuren finden, sondern auch für Städte, Landschaften, Schurkennamen, ja sogar Dinosaurier und Buchtitel und ähnliches. Nachteil: Letzteres funktioniert nur für englische Namen. Ach nein, gerade habe ich französische Namen für Edelsteine gefunden, die sehr edel klingen 🙂
https://dicelog.com/yafnag: Bei diesem kannst du die Anfangsbuchstaben wählen oder auch die Endung. Außerdem kannst du einstellen, wie viele Namen ausgespuckt werden sollen.

Wie gehst du vor, wenn du deinen Romanfiguren Namen gibst? Hast du weitere Tipps? Ich freue mich über Kommentare!

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