Buchserien schreiben – Tipps und Tricks

Buchserien schreiben - Tipps und Tricks

Was sollte man beachten, wenn man Buchserien schreiben möchte?

Da gibt es einiges. Wir werden uns mal anhand einiger Fragen an dem Thema entlanghangeln.

Die Planung von Buchserien

Die Figuren und die Storyline müssen über mehrere Bände geplant werden. Dies erfordert ein hohes Maß an Planung und Konzentration.

Mein Tipp
Falls du eine Buchserie planst, sammle frühzeitig Ideen für Konflikte, interessante Plottwists, Figuren und so weiter.  Die kannst du dann auf die einzelnen Bände aufteilen, sodass sich das gesamte Handlungsgerüst immer klarer herausschält.
Denke daran, dass du viele Konflikte brauchst, weit mehr als bei einem Einzelroman. Diese Konflikte musst du kunstvoll miteinander verweben, nicht zu früh und nicht zu spät auflösen. DAS ist schon bei einem Einzelroman schwierig. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sogar von Band zu Band schwieriger wird. Zwar kannst du deine Charaktere facettenreich ausgestalten, deine Story überaus verzwickt ausarbeiten, große Spannungsbögen über mehrere Bände hinweg ausbreiten, denn du hast einfach viel Platz, um dich austoben zu können.
Aber es kommen ständig neue Daten hinzu, neue Entwicklungen, neue Informationen und andere Kleinigkeiten, die du im Kopf behalten musst und die beim Schreiben beachtet werden müssen. Sonst kann es schnell passieren, dass du die Leser mit Unstimmigkeiten verwirrst und die Figuren nicht glaubwürdig handeln.
Mein Tipp
Führe Listen über jede einzelne Person, jeden außergewöhnlichen Gegenstand, Ort, Pflanzen, Mahlzeiten – besonders, wenn du im Fantasygenre unterwegs bist. Ich selbst nutze eine Excel-Tabelle, aber natürlich kannst du das auch anders handhaben.

Du bist gebunden

Denke auch daran, dass du viele Jahre mit deiner Serie beschäftigt sein wirst. Das kann manchmal echt nerven, besonders wenn dich tolle Ideen für neue Geschichten überfallen. Denen darfst du dann nicht nachgeben, schließlich bist du an deine Fans gebunden.
Andererseits sind dir das Setting und die Charaktere schließlich so vertraut, dass du genau weißt, wie sie handeln und ticken, sodass du dich mit Prroblemen wie Weltenerschaffen und Charaktere abrunden nicht mehr belasten musst. Die Geschichte schreibt sich einfach so runter und du kannst dich auf verzwickte Plottwists und andere Feinheiten konzentrieren.

Sollte man zuerst alle Bände fertigschreiben und dann veröffentlichen?

Wenn man die Zeit und die Geduld hat, kann man so vorgehen. Es birgt den Vorteil, dass man bis zum Schluss noch Änderungen der ersten Teile vornehmen kann. Denn irgendwann ergibt sich immer die Situation, dass eine Handlungsalternative im Nachhinein doch besser gepasst hätte. Oder man möchte eine Spur beziehungsweise einen Hinweis im Text vorher verstecken. Ist der entsprechende Band schon veröffentlicht, geht das nicht mehr.
Aber es gibt auch Vorteile, wenn man jeden Band sofort veröffentlicht. Denn deine Leserinnen geben dir meist reichlich Feedback, sodass du ihre Wünsche oder Ideen noch einbauen kannst. Manchmal haben sie wirklich erstaunliche Einfälle, auf die du so nie gekommen wärst. Und seien wir ehrlich, ein positives Feedback spornt unheimlich an, weiterzumachen. Wenn deine Geschichte gut ankommt, schwebst du auf Wolke 7. Und auf diesen Schub zu verzichten, wäre schade.
Umgekehrt, wenn deine Fans dir die kalte Schulter zeigen und deine Geschichte nicht mögen, ersparen sie dir eine Menge Arbeit …aber davon wollen wir jetzt mal nicht ausgehen.

Allerdings – die groben Eckpunkte deiner Geschichte solltest du wissen, damit du auf die Konfliktauflösung hinarbeiten kannst und das Ganze nicht in einem großen Kuddelmuddel endet. Es macht auch riesigen Spaß, unterwegs Hinweise einzustreuen – und das kannst du eben nur, wenn du das Ende kennst.

Mein Tipp
Es macht sich auch ganz gut, wenn du Figuren, die in einem späteren Band eine Rolle spielen, schon vorher kurz auftauchen lässt. Das gibt dem Leser ein gutes Gefühl, so nach dem Motto, ach den kenne ich doch schon! Dies gilt natürlich auch für wichtige Gegenstände, Orte usw. und beweist dein Geschick als Schriftsteller. Aber natürlich sollte dieses kurze Auftauchen auch einen Sinn haben und zur Handlung passen. Der Hauptfigur darf nicht die show gestohlen werden.

Die Figurenentwicklung

Die Figurenentwicklung bei Buchserien ist ein nicht ganz einfacher Punkt. Am besten, man teilt die Entwicklung des Protagonisten in kleinere Häppchen ein. Aber was soll man tun, wenn die Geschichte ursprünglich als Einzelband geplant war und die Entwicklung der Hauptfigur quasi abgeschlossen?

Wie ich schon erwähnt habe, war die Drachenland-Saga ursprünglich als Einzelband konzipiert. Felix als meine Hauptfigur hat sich vom ängstlichen schüchternen Jungen hin zu einem entwickelt, der zwar kein Haudrauf geworden ist, aber dennoch einen Großteil seiner Angst abgelegt hat.

Was tun, wenn die Entwicklung schon abgeschlossen ist?

Und nun? In einem Folgeband können ihm schließlich keine Flügel wachsen, sprich, eine Steigerung dieser Entwicklung wäre mehr als unwahrscheinlich.
Ich habe dieses Problem so gelöst, dass zwar Felix immer noch mein Point of View war, aber er hat sich stattdessen mit der Frage herumgequält, was er denn ganz speziell für dieses Abenteuer leisten kann. Seine Angst, die im ersten Band eher allgemein war, hat sich nun auf eine konkrete Fragestellung konzentriert. Zusätzlich wurde der Fokus des Lesers noch auf seine Freundin Alexa gelenkt, die mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat.
Und jetzt im dritten Band erleben wir eher Laurins Entwicklung mit – eigentlich so nebenbei, denn er ist oft gar nicht anwesend – wie er vom Schuljungen zum stellvertretenden Herrscher der Trutzenburg aufsteigt.

Für mich fühlt  sich dieses Vorgehen stimmig an und ich bin zufrieden. Es gäbe sicherlich noch mehr Raum für Entwicklung, beispielsweise könnte Felix sich in Anbetracht des Aufstiegs seines Bruders fragen, wohin denn sein eigenes Leben steuern sollte. Auch Farani, das magisch begabte Eingeborenenmädchen, bietet noch interessantes Potential. Aber ich habe für mich beschlossen, dass nach dem dritten Band Schluss sein soll. Ich habe Lust auf etwas Neues. Und sollte mich doch noch der Drang überkommen, einen vierten Band zu schreiben, so kann ich das ja jederzeit tun. Konflikte mit den Eistrollen gibt es ja immer …

In Buchserien musst du noch viel mehr Plotentscheidungen treffen

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass sich immer wieder neue Perspektiven für die Figuren eröffnen, inmittten des Schreibens. Das ist fast wie im richtigen Leben, eine Entscheidung, die die Figur (bzw. Ich als Autorin) trifft, hat Auswirkungen auf die weitere Handlung. Verblüffend für mich ist dabei immer, dass sich trotzdem immer alles ins Puzzle einfügt. Da ich an ein Eigenleben der Figuren nicht glaube, muss es mein Unterbewusstsein sein, das im Hintergrund Fäden aufnimmt, sie zusammenknüpft und am Ende wieder entwirrt. Eine tolle Sache. Ich schwitze zwar beim Schreiben oft und frage mich verzweifelt, wie das weitergehen soll (ja, trotz Plot, siehe HIER, aber es klappt immer. Offenbar weiß ein Schriftsteller im Unterbewusstsein mehr über seine Figuren und die Geschichte, als ihm an die bewusste Oberfläche gerät. Manche Situationen aus Band 1 haben sich als wichtig erwiesen, und ich konnte sie in den Folgebänden gut als Motivation nehmen oder darauf aufbauen. Anscheinend begreife ich erst ziemlich spät, was mein schlaues Unterbewusstsein da ausgeheckt hat. Na, mir soll es recht sein.

 

Hier wieder ein Tipp für dich, wenn du eine chronologisch aufgebaute Serie planst:

Manchmal vergeht doch längere Zeit, bis der Folgeband erscheint, sodass die Leser leider viel wieder vergessen. Oder aber jemand steigt eben doch bei Band 2 ein.
Du könntest deinen Buchserien natürlich ein „Was bisher geschah” voranstellen. Nur ist das aus mehreren Gründen nicht so geschickt.
  1. Viele Leser mögen so etwas nicht. Sie wollen gleich in die Geschichte eintauchen und nicht noch umständlich von einer anderen lesen, auch wenn es die Vorgeschichte dazu ist.
  2. Es kostet dich ein paar Seiten. Gerade im Selfpublishing ist es wegen der Druckkosten von Printausgaben geschickter, kurze Bücher zu haben, um den Preis möglichst niedrig zu halten. Und ja, ein paar Seiten können hier einen Unterschied machen.
  3. Da bei Amazon die ersten Seiten als „Blick ins Buch angezeigt werden, ist es nicht ideal, so ein „Was bisher geschah” vorne einzufügen. Und hinten macht es nicht wirklich Sinn.
Lösung: Du streust in den Folgebänden kurze Erklärungen ein, sodass auch neue Leser sich das Setting gut erschließen können. Die Kunst ist hierbei, dies so natürlich wie möglich einfließen zu lassen, um einerseits Neueinsteiger abzuholen und andererseits die Fans nicht mit unnötigen Erklärungen zu nerven.
Liest du gerne Buchserien? Hast du deine Serie komplett vorausgeplant oder bist du wie ich einfach so reingeschlittert?

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