Konflikte finden – so kommst du an tragfähige Ideen für deinen Roman

Konflikte finden - so kommst du an tragfähige Ideen für deinen Roman

Heute möchte ich dir einmal eine andere Vorgehensweise vorstellen, wie man an Ideen für einen neuen Roman kommen kann. Nämlich, indem man sich zunächst weder Gedanken über den konkreten Plot, noch über die Charaktere macht. Sondern indem man sich über Konflikte inspirieren lässt. Mir ging es nämlich früher folgendermaßen:

Alle platzen vor Ideen – nur ich nicht?

Immer wieder fand ich es erstaunlich, wenn ich hörte, dass andere Schriftsteller vor Ideen überströmen und zig schon grob ausgearbeitete Romanideen in der Warteschlange haben. Warum flogen mir die Ideen nicht so einfach zu? Sicher, ich wusste schon, über was ich schreiben will und hatte auch zahlreiche Ideen, aber die waren einfach nicht tragfähig für eine gesamte Geschichte.
Auch der immer gehörte Ratschlag, die kleinen Einzelideen zu kombinieren, fruchtete bei mir nicht.

Bis mir auffiel, dass ich völlig falsch anfange. Naja, sagen wir nicht falsch, aber umständlich. Ich schränkte mich von vorneherein ein! Beispielsweise fand ich ein bestimmtes Setting toll und wollte, dass meine Geschichte in einer mittelalterlichen Fantasywelt spielte. Der Protagonist sollte irgendwie in die Welt “hineingezogen” werden und dort Abenteuer erleben. Ich zerbrach mir den Kopf, was für Abenteuer das sein könnten und mir fiel nie was Zündendes ein, etwas, das nicht schon hundertmal dagewesen war.
Oder ich wollte etwas über einen bestimmten Charakter schreiben. Etwa eine Protagonistin mit faszinierenden Fähigkeiten. Ich stellte Listen auf, was das für Fähigkeiten sein könnten. Wer träumt denn nicht vom Fliegen? Vom Hexen-können? Aber reicht das für einen Roman? Nie und nimmer.

Das Problem anders herum angehen

Dann kam mir endlich die grandiose Idee, die Sache andersherum anzupacken. Lass mal dein Lieblingssetting oder deine bestimmte Protagonistenvorstellung weg, sagte ich mir, und sei gefälligst etwas flexibler. Das Problem war eigentlich klar: die Konflikte fehlen. Denn wenn man von einem bestimmten Setting oder einem festgelegten Charakter ausgeht, sind die Möglichkeiten für Konflikte begrenzt. Mir jedenfalls fielen immer dieselben langweiligen und unbefriedigenden Konflikte ein. Finde erst einmal einen richtig guten Konflikt und dann kannst du aus vielen möglichen Settings und Protagonisten wählen. Vielleicht passen ja auch deine Lieblingskonfigurationen?

Und schwupps, kamen mir auf einmal Ideen, die tatsächlich geeignet waren, eine Geschichte zu tragen! Und das Experimentieren mit verschiedenen Settings und Charakteren machte auf einmal richtig Spaß, wenn ich von einem zentralen Hauptkonflikt ausging.

Konflikte, Konflikte, Konflikte!

Lasst uns daher ein wenig über Konflikte im Allgemeinen sprechen. Konflikte kann man zunächst einmal in äußere und innere Konflikte einteilen. Oder man teilt sie in Haupt- und Nebenkonflikte ein. Es ist ein bisschen verzwickt, denn teilweise gehören Konflikte sowohl der einen als auch der anderen Kategorie an.
Ich defininiere das mal kurz:
Äußere Konflikte werden, wie der Name schon sagt, von außen an die Figur herangetragen. Ein Beispiel für einen äußerlichen Konflikt wäre, die Figur wird gezwungen, ihr Heimatdorf zu verlassen, weil Banditen alles niedergebrannt und jedem außer ihr getötet haben. Was soll sie nun tun? Wo geht sie hin?
Innere Konflikte treiben die Figur innerlich um. Sie muss sich mit sich selbst herumschlagen und ist quasi selbst ihr Gegner. Aber davon später mehr.
Ein Hauptkonflikt ist der Konflikt, der den gesamten Roman bestimmt, das Hauptproblem, mit dem sich der Protagonist herumschlagen und das er am Ende des Romans gelöst haben muss.
Nebenkonflikte sind all die Konflikte, die ihm dabei zusätzlich im Weg stehen und die das Buch spannend machen.

Hauptkonflikte

Wenn man ein bisschen recherchiert, findet man einige Grundtypen von Hauptkonflikten, auf die sich nahezu jede Geschichte stützt. Die möchte ich dir hier erläutern. Allerdings ist die Einteilung in externe und interne Konflikte, die ich hintendran geschrieben habe, nur unter Vorbehalten zu sehen. Denn ganz sicher kämpft Robinson Crusoe allein gegen die Widrigkeiten der Natur, aber gleichzeitig muss er sich auch mit seinen innersten Gefühlen auseinandersetzen. Innere Konflikte gibt es eigentlich immer, denn schließlich rennt niemand gefühllos wie ein Roboter durch die Gegend, ohne zu hinterfragen, was er da eigentlich tut. Diese Aufzählung soll nur helfen, den zentralen Konflikt zu erkennen und vielleicht beim Entwurf einer neuen Geschichte dienlich sein.

Die Figur gegen andere Figur – externer Konflikt

Es handelt sich hier um Konflikte zwischen den Charakteren, z.B. Feindschaften, Streitereien, Antipathien. Der Konfliktgegner ist der sogenannte Antagonist, der Gegenspieler unseres Protagonisten. Er muss auch nicht zwangsläufig “böse” sein, sondern es reicht, dass er dem Protagonisten im Weg steht. Vielleicht wollen sie auch das gleiche Ziel erreichen (etwa wie Amundsen und Scott auf dem Weg zum Südpol), aber nur einer schafft es. Der Antagonist könnte auch verhindern wollen, dass der Protagonist sein Ziel erreicht oder umgekehrt, der Protagonist will den Antagonisten am Erreichen des Ziels hindern. Z.B. will James Bond Dr. No davon abhalten, die Weltherrschaft zu erlangen.
Vielleicht ist der Antagonist unserer Heldin auch einfach die blöde Kuh aus der Klasse, die es einfach nicht ertragen kann, dass unsere Protagonistin schlau ist und gute Noten hat und ihr aus reiner Boshaftigkeit Steine in den Weg legt.
Oder unsere Protagonistin besitzt einen Gegenstand oder etwas anderes (eine gewisse Macht, einen Status, …), was der Antagonist unbedingt haben möchte, sodass eine Jagd darauf entbrennt. Dieses Szenario funktioniert ebenfalls in der umgekehrten Richtung!

Die Figur gegen die Gesellschaft – externer Konflikt

Der Protagonist bekommt Probleme mit der Gesellschaft, entweder aufgrund seines Handelns oder aufgrund der aktuellen Situation in der Gesellschaft. Vielleicht gehört er einer gewissen Minderheit an, die von der Gesellschaft ausgegrenzt wird (Rassismus, Sexismus, Homophobie, Religiosität etc.) oder er kämpft gegen Ungerechtigkeiten im System. Ein schönes Beispiel ist hier natürlich “Tribute von Panem”, wo Hauptfigur Katniss gegen das mächtige Kapitol kämpft. Geschickt gelöst: Die Gesellschaft bekommt, vertreten durch Präsident Snow, quasi ein Gesicht, auf das sich die Gefühle und das Handeln von Katniss konzentrieren können. Sozusagen kämpft Katniss zwar gegen die Gesellschaft, aber gleichzeitig auch konkret gegen eine andere Figur. Fast könnte man sagen, diese Geschichte ist eine Mischung aus Figur gegen Figur und Figur gegen Gesellschaft. Ich erwähnte es bereits: Diese Einteilung ist keineswegs trennscharf.

Die Figur gegen die Natur – externer Konflikt

Hier stehen nicht andere Menschen dem Protagonisten entgegen, sondern er kämpft gegen die Natur. Er könnte sich als Überlebender eines Flugzeugabsturzes wiederfinden. Oder es geht um Menschen, die sich in Katastrophenszenarien befinden wie während und nach eines Erdbebens, eines Tornados, einer Atomkatastrophe und so weiter. Oder dein Held befindet sich verloren im Wald, in der Wüste und muss sich zusätzlich noch gegen wilde Tiere behaupten. Klassisches Beispiel: Robinson Crusoe auf seiner Insel, eine total spannende Geschichte, obwohl lange Zeit kein Mensch auftaucht und Robinson ganz alleine ist.

Die Figur kämpft gegen sich selbst – interner Konflikt

Es gibt Bücher, da taucht überhaupt kein physischer Gegner auf. Wenn die Figur gegen sich selbst kämpft, ist dies natürlich ein typischer interner Konflikt. Charakterschwächen müssen überwunden werden, Süchte oder Traumata aus der Vergangenheit bekämpft werden.

Die Figur gegen die Technologie – externer Konflikt

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ich noch einen weiteren Konflikttyp gefunden habe, nämlich die Figur gegen die Technologie. Wobei ich hier unweigerlich an Science Fiction denke. Wird die Technologie den Menschen übertrumpfen und unterwerfen? Ein Beispiel wäre hier der Film Terminator.

So, das wären die Hauptkonflikte. Der weitaus beliebteste Hauptkonflikt stellt sicher der erste dar, wo es die Figur mit einem physischen Gegner zu tun hat.

Nebenkonflikte

Für sich allein genommen reicht ein Hauptkonflikt nicht aus, um ein wirklich spannendes Buch zu schreiben. Neben dem zentralen Hauptkonflikt, der dem gesamten Roman seinen Stempel aufdrückt, ist man gut beraten, noch weitere kleine oder auch größere Nebenkonflikte einzubauen, mit denen sich die Figur herumschlagen muss.
Und jetzt ist Kreativität gefragt. Jetzt kann man äußere und innere Konflikt einbauen, je mehr, desto besser. Lass deinen armen Protagonisten richtig leiden. Tatsächlich ist das etwas, was einem innerlich irgendwie schwerfällt. In mir drin sträubt sich alles, wenn ich mir überlege, dass meiner Figur vielleicht ein paar Finger abgehackt werden müssten, um eine gewisse Szene dramatischer zu gestalten. Wir alle streben ja nach Harmonie und Frieden. Nur leider ist das im Roman ganz falsch. George .R.R. Martin scheute sich auch nicht, etliche Hauptfiguren einfach sterben zu lassen. Und es ist ein grandioser Romanzyklus dabei herausgekommen!

Je mehr Konflikte, desto besser

Also nerve deine Figur noch mit weiteren Konflikten! Es muss ja nicht ganz so drastisch sein, dass sie gleich umkommt (dann wäre in den meisten Fällen die Geschichte auch zu Ende), aber sie sollte schon wirklich in scheinbar ausweglose Situationen kommen. Um beim obigen Beispiel zu bleiben, wo das Dorf niedergebrannt wird: Z.B. könnte einer der Täter merken, dass ihm der Protagonist entkommen ist und die Verfolgung aufnehmen. Klingt schon besser und bringt unseren Protagonisten ein wenig mehr ins Schwitzen.
Aber wirklich für Salz in der Suppe sorgen die internen Konflikte, die dem Charakter letztendlich auch seine Glaubwürdigkeit verleihen. Aufgrund eines inneren Konfliktes trifft er Entscheidungen. An seinem inneren Konflikt kann er wachsen und sich entwickeln. Der übergewichtige Protagonist lernt, seinem Verlagen, unkontrolliert Süßigkeiten in sich hineinzustopfen, zu widerstehen. Oder nochmals zum obigen Beispiel: Wenn unser Held herausfinden will, wer die Banditen waren, die seine Liebsten umgebracht haben, könnte er gezwungen sein, sich seinen inneren Ängsten zu stellen. Vielleicht hat der Mord mit Begebenheiten aus seiner Kindheit zu tun, mit denen er sich nun auseinandersetzen muss.
Andere innere Konflikte können sein:

  • private Probleme wie Alkoholsucht, Höhenangst, Bindungsangst ect.
  • der Protagonist kämpft gegen innere Schwächen wie Faulheit, mangelnde Intelligenz, mangelndes Selbstbewusstsein etc.
  • zwei innere Wünsche der Person kämpfen gegeneinander – welcher gewinnt die Oberhand? Also z.B. der Wunsch, die Welt zu bereisen, aber gleichzeitig das Bedürfnis, eine Familie zu gründen.

Konflikte müssen “gemischt” werden

Meine Geschichten baue ich jetzt auf der Basis von Konflikten auf. Zur Zeit funktioniert das wirklich gut. Ich finde meinen zentralen Hauptkonflikt, der sich durch den ganzen Roman zieht, und spiele dann mit vielen weiteren externen und internen Konflikten herum. Irgendwann finden sich dann die Charaktere und das passende Setting von alleine ein. Das geschieht meist dann, wenn der Plot konkreter wird.

Ich sage aber nicht, dass man nicht auch anders vorgehen kann! Dies ist nur eine Methode, die für mich funktioniert hat, als ich völlig feststeckte zwischen meinen Vorstellungen und dem Wunsch, ein richtig spannendes Buch zu schreiben.

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