Wie du negative Glaubenssätze überwinden und deinen Roman endlich fertigschreiben kannst

Junge balanciert auf Geländer

Kennst du das? Mal hast du Phasen, wo du ganz euphorisch Seite um Seite an deinem Roman schreibst, dann quälen dich wieder Selbstzweifel und nichts geht voran. Und das ganze Auf und Ab geht nun schon seit Jahren so. Fertig ist dein Buch erst recht nicht.

Woran liegt das?

Hast du schon einmal etwas von Glaubenssätzen gehört? Möglicherweise hast du einen oder gar mehrere dermaßen verinnerlicht, dass sie dich wirkungsvoll am Beenden von deiner Geschichte hindern.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind Annahmen (bitte beachte sorgfältig: es sind Annahmen!) darüber, wie die Welt funktioniert und wir wir uns in ihr zu verhalten haben. Diese Glaubenssätze übernehmen wir meist unhinterfragt. Sei es, dass wir noch zu jung sind, um sie kritisch zu beleuchten oder sie schleichen sich peu à peu ein, ohne dass wir es merken.

Glaubenssätze gibt es selbstverständlich nicht nur beim Schreiben. Sie durchziehen unser gesamtes Leben. Gerade von unseren Eltern übernehmen wir viele Glaubenssätze. Oder von Lehrern, Chefs, allen Arten von Mentoren oder Leuten, die wir für kompetent halten.

Was haben Unterhosen mit Glaubenssätzen zu tun?

Beispiel gefällig? Ich musste so lachen, als mir meine Kollegin erzählte, dass ihre Mutter ihr beibrachte, die Unterhosen immer in der Mitte des Wäscheständers aufzuhängen. Sonst könnten die Nachbarn sie ja sehen! Bis heute fühlt sich sich gezwungen, ihre Unterhosen so aufzuhängen, selbst im Winter im Haus. So einen Glaubenssatz zähle ich glücklicherweise nicht zu meinem Repertoire. Sonst hätte ich Probleme, mit den Unterhosen von sechs Personen.

Spaß beiseite. Hier soll es vorrangig um das Romanschreiben gehen.

Leider hinterfragen wir unsere Glaubenssätze in den seltensten Fällen. Oft genug kommen wir gar nicht auf die Idee, dies zu tun. Und noch schlimmer: Meistens bemerken wir gar nicht, dass wir blind einem Glaubenssatz folgen.

Hat der Mensch überhaupt recht, dessen Glaubenssatz wir übernommen haben? Vielleicht funktioniert dieser Glaubenssatz für ihn, aber für uns nicht? Vielleicht gibt es ja alternative Wege?

Beispiele für negative Glaubenssätze

Glaubenssätze, die das Schreiben betreffen, gibt es (leider) wie Sand am Meer.

  • Lähmt dich die Angst, wie es nach der Fertigstellung deiner Geschichte weitergehen soll? Du bist doch so schüchtern! Was ist, wenn tatsächlich ein Verlag dein Buch veröffentlichen will! Dann musst du womöglich knallhart verhandeln, oder auf Lesungen gehen, das kannst du nicht!
  • Bist du zu perfektionistisch? Kannst du keinen Satz stehenlassen, ohne ihn fünfmal umzuschreiben, sodass du lieber gar nicht weiterschreibst, anstatt etwas Unperfektes abzuliefern?
  • Hast du Angst, dass deine zukünftigen Leser deine Geschichte nicht gut finden? Willst du es allen Lesern recht machen?
  • Glaubst du, dass du sowieso nie vom Schreiben leben kannst und es sich deshalb nicht lohnt, deine Geschichte überhaupt zu veröffentlichen?
  • Denkst du, dass alle anderen besser schreiben als du? Es sind so tolle Bücher auf dem Markt, wie sollst du da konkurrieren? Was du schreibst, ist doch eh alles Mist. Dein Plot ist „Mist”, deine Idee ist schon hundertmal erzählt. Diesen Stuss will sowieso niemand lesen.
  • Du musst erst hunderte Schreibratgeber durchackern, um das Handwerk zu lernen, bevor du anfangen „darfst”?
  • Du hast doch eh keine Disziplin, um ein „richtiges” Buch zu schreiben!
  • In dem Nischengenre, in dem du schreibst, wirst du sowieso keinen Erfolg haben!
  • Du investierst so viel Zeit in dein Buch. Was ist, wenn es dann niemand kauft? Besser, wenn du in dieser Zeit etwas Sinnvolleres tust!
  • Du hattest doch eine Vier in Deutsch und brachtest damals in der Schule keinen geraden Satz zusammen. Du wirst das nie lernen und brauchst erst gar nicht damit anfangen.
  • Und so weiter, und so weiter…

Glaubenssätze überwinden in 4 Schritten

Ich möchte zwei exemplarisch herausgreifen, unter denen ich persönlich „gelitten” habe und darstellen, was man tun kann, um sie zu überwinden. Bestimmt hast du deine eigenen Problemfälle. Aber anhand des Beispielvorgehens sollte es dir am Ende des Artikels leichtfallen, ihnen auf die Schliche zu kommen und diese Glaubenssätze auszumerzen.

Fangen wir also an.

1. Spüre deine blockierenden Glaubenssätze auf.

Warum wird dein Buch nicht fertig? Was hindert dich daran, weiterzuschreiben? Nimm dir ein klein wenig Zeit und denke intensiv über die Gründe nach. Sei schonungslos ehrlich dabei.

Bei mir war es so, dass ich davon überzeugt war, zum Schreiben zu wenig Zeit zu haben. Mit vier Kindern, Haushalt, Ehemann, Job, Hund und so weiter dachte ich, dass ich wirklich allen Grund dazu habe, über Zeitmangel zu klagen.

Glaubenssatz Nr. 1: Ich habe keine Zeit zu schreiben.

Die Folge dieser ersten Annahme war, dass mir völlig klar war, dass ich Jahre brauchen werde, um ein Buch fertig zu schreiben. Klingt ja auch logisch, nicht?

Glaubenssatz Nr. 2: Es dauert mehrere Jahre, einen Roman fertigzustellen.

Bei dir mögen andere Gründe vorliegen. Fandest du dich in der obigen Liste wieder?

Mache eine Bestandsaufnahme. Wo fühlst du dich entmutigt? Was ist dein Knackpunkt, wo hapert es?

Warum? Was ist der Grund?

2. Beleuchte deinen aufgespürten Glaubenssatz.

Nimm ihn auseinander. Beleuchte ihn gnadenlos von allen Seiten. Hast du wirklich recht mit deinen Annahmen?

Du willst ja schreiben. Und du willst deinen Roman fertig schreiben. Und zwar nicht irgendwann, sondern in einem möglichst überschaubaren Zeitrahmen. Wenn dieser Wunsch für dich stimmig ist, passen deine unter Punkt 1 gefundenen Glaubenssätze irgendwie nicht dazu. Irgendwo ist ein Widerspruch. Und den gilt es aufzulösen.

Bei mir war es so, ich fragte mich ernsthaft, was ich eigentlich wollte. Wollte ich so weitermachen wie bisher? Auf die Muse warten? Hier und da mal einen Satz schreiben? Bis zum St. Nimmerleinstag an meiner Geschichte herumfeilen? Vielleicht gar ganz mit dem Schreiben aufhören?

Die Antwort war klar. Nein. Ich möchte nicht aufhören zu schreiben! Die Geschichte soll fertig werden und das möglichst bald. Mehr noch, ich will am liebsten meinen Roman veröffentlicht sehen. Das wird aber nicht gehen, wenn ich Zeitmangel vorschiebe und mir einrede, dass ich noch Jahre brauchen werde, bis endlich etwas fertig ist.

Aber ich war gefangen im Alltagsstress. Die Anforderungen an mich waren hoch, so erschien es mir jedenfalls. Und auch ich habe ein Recht darauf, meine wenige kostbare freie Zeit zur Erholung zu nutzen? Oder etwa nicht?

Hier noch mich aufzuraffen und an meiner Geschichte weiterzuschreiben, erschien mir undenkbar. Es war wie eine lästige Pflicht, die ich nicht tun wollte. Das Schreiben war für mich zu etwas Anstrengendem, zu einer weiteren stressigen Aufgabe geworden.

Aber ich liebe doch das Schreiben! Wie hatte es passieren können, dass mir das Schreiben so schwerfiel?

Ich besann mich also darauf, warum ich überhaupt schreibe. Auf meine Geschichten, die mir am Herzen liegen, die hinauswollen, auf die ich stolz bin und die irgendwann auch von anderen gelesen werden sollen. Ich dachte an das schöne Gefühl, ein gutes Stück weitergeschrieben zu haben, zu sehen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und das Allerbeste: Wenn man „Ende” unter seinen Roman schreiben kann.

Das „Schreiben-müssen” wandelte sich allmählich wieder in ein „Schreiben-wollen”. Und das fühlte sich viel besser an!

Habe ich also wirklich kein einziges Zeitfenster, in dem ich ohne das Gefühl, etwas einbüßen zu müssen, an meinem Roman weiterschreiben kann?

3. Ist dieser Glaubenssatz tatsächlich relevant für dich? Forsche nach Alternativen!

Woher kommt dieser Glaubenssatz und gilt er überhaupt (noch) für dich? Möchtest du weiterhin nach diesem Glaubenssatz leben oder ihn besser über Bord werfen?

Woher kam meine Überzeugung, keine Zeit zu haben? Natürlich habe ich mir den meisten Stress selbst gemacht und war auch ein bisschen faul und träge geworden. Aber auch mein Umfeld bestärkte mich kräftig in meinem Glauben, nach dem Motto: „Mensch, mir ist schon alles mit zwei Kindern zu viel, wie schaffst du das nur mit vieren?” usw. Das hat mir natürlich gefallen – ich muss es zugeben – und meinen negativen Glaubenssatz weiter bestärkt. Ein riesiger Fehler! Anstatt mich nach oben zu orientieren, tat ich es nach unten.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, nach Alternativen zu forschen. Gibt es andere Wege als die, die du bisher eingeschlagen hast? Gibt es vielleicht jemand, der es trotz Familie, Beruf und sonstigen stressigen Lebensumständen geschafft hat, sich seinen Traum vom veröffentlichten Autor zu erfüllen?

In meinem Fall gibt es natürlich etliche Beispiele! Ich kenne eine Familie mit fünf Kindern, wo die Mutter Vollzeit arbeiten geht und nebenher noch ehrenamtlich tätig ist. Puh. Hut ab. Die schreibt zwar nicht, aber wenn man die Zeit berechnet, die sie für ihr kirchliches Engagement aufwendet, so wäre es für sie ein Leichtes.

J. K. Rowling, die Autorin von „Harry Potter”, war gar alleinerziehend und besaß nicht einmal einen Computer, als sie ihren Roman schrieb.

Jacqueline Vellguth, die den Blog „Schriftsteller-werden” betreibt, hat ein ganz und gar interessantes Projekt durchgezogen, obwohl auch sie zwei Kinder hat. Damit hat sie meine Vorstellung, dass man Jahre brauchen muss, um einen Roman zu schreiben, gründlich durcheinandergebracht 😉

Aber selbst wenn du niemanden findest, der deine Glaubenssätze erfolgreich widerlegt hat, bist du auf jeden Fall frei, deinen eigenen Weg zu gehen. Meine (und auch deine) Lebenssituation ist immer noch völlig anders als die anderer Menschen! Ich muss immer meine eigene Art finden, Zeit für mich freizuschaufeln und mir zu beweisen, dass es vorwärtsgehen kann.

4. Leg deinen alten Glaubenssatz ab!

Mach dir einen Plan, wie du zukünftig vorgehen willst. Es gibt immer einen anderen Weg! Du musst ihn nur finden. Traue dich hierbei auch, ganz unkonventionelle Wege einzuschlagen. Sei kreativ.

Ich zum Beispiel entschied mich, am NaNoWriMo teilzunehmen. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es trotz aller Verpflichtungen schaffen konnte, einen großen Output zu produzieren. In dreißig Tagen werden hier 50000 Wörter produziert, das bedeutet, 1667 Wörter am Tag! Das erschien mir enorm viel und ich hatte erhebliche Zweifel, ob ich das schaffen könnte. Ich feiges Hühnchen meldete mich nicht an, weil ich Sorge hatte zu versagen. Obwohl es überhaupt keine Konsequenzen hat, wenn man es nicht schafft, wollte ich mir nicht die öffentliche Blöße geben! Das war natürlich echt feige, aber nun ja. Inoffiziell, das heißt, zuhause am heimischen Computer, machte ich mit. Und was soll ich sagen, es fiel mir nicht einmal besonders schwer.

Wenn du dir selbst beweisen möchtest, dass dein negativer Glaubenssatz falsch ist, musst du aber auch UNTER ALLEN UMSTÄNDEN dafür sorgen, dass deine neue Herangehensweise Erfolg hat! Das ist ganz wichtig! Tue alles dafür, nicht zu scheitern! Sonst redet dir dein Gehirn bzw. dieses fiese kleine Teufelchen da drin wieder ein, „ich habs ja gleich gesagt, du kannst das nicht, das wird nie was bei dir.” Und das wäre extrem blöd nach hinten losgegangen.

Meine Vorgehensweise

Was habe ich gemacht? Ich strich mir damals im November sämtliche abendlichen Termine, schärfte den Kindern (und meinem Mann) ein, dass ich ab 20 Uhr keine Zeit mehr für sie hätte, redete mir ein, abends nicht müde zu sein und schaufelte mir so garantierte zwei Stunden frei, die ich nur meinem Schreiben widmete. Am Anfang war ich so nervös, dass ich sogar morgens vor der Arbeit oder nachmittags, wenn ich nur 10 Minuten Leerlauf hatte, am Computer tippte, um auf jeden Fall auf meine tägliche Wortzahl zu kommen. Oftmals war ich deshalb schon am Nachmittag fertig und konnte einen freien Abend genießen!

Das war für mich so unglaublich lehrreich!!!

Diese Tatsache, dass ich es geschafft hatte, in 30 Tagen so viel schreiben zu können wie in all den Jahren vorher zusammen nicht, widerlegte meine Glaubenssätze viel gründlicher als alle anderen theoretischen Überlegungen diesbezüglich.

Und plötzlich stellte ich fest, dass es nicht Jahre dauert, ein Buch zu schreiben! Natürlich war im Dezember etwas die Luft raus. Aber ich setzte mir ein tägliches Wortziel von 700 Wörtern, das wirklich gut zu schaffen ist. Ende März des darauffolgenden Jahres war die Geschichte fertig. November bis März, das ist weniger als ein halbes Jahr! Für mich klang das früher unglaublich.

Dadurch, dass ich mir selbst widerlegt habe, dass es einfach nicht zutrifft, zu wenig Zeit als Grund vorzuschieben, habe ich eine ungeheure Freiheit gewonnen.

Ich habe keine Angst mehr, eine Geschichte anzufangen, weil ich weiß, dass ich sie beenden kann.

Ich habe Selbstvertrauen gewonnen. Ich kann alles schaffen, wenn ich es nur ernsthaft will und mich dahinterklemme!

Ich bin selbst verantwortlich, ob ich Erfolg habe oder scheitere.

Du kannst mit der Standardmethode Erfolg haben. Aber du kannst auch völlig neue Wege gehen. Wer hat gesagt, dass man es so und so machen MUSS? Dass die Dinge so und so FUNKTIONIEREN MÜSSEN? Glaube ihm nicht 🙂

Welcher Glaubenssatz hindert dich daran, deinen Roman fertigzuschreiben? Hast du schon einmal deine Glaubenssätze hinterfragt und dich erfolgreich von ihnen gelöst? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Gib deinen Namen und deine Email-Adresse an. Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!. Name and Email fields are required