Plot oder Charaktere? Was ist zuerst da?

Plot oder Charaktere? Was ist zuerst da?

Womit solltest du anfangen, mit dem Plot oder mit den Charakteren?

Viele Schreibanfänger stehen vor diesem Problem, und wie sooft gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Du alleine darfst das bestimmen, sprich, du musst es leider ausprobieren. Oder: Das ist Geschmackssache.

Manchmal hängt es ganz simpel von der Idee ab, die dir irgendwann einmal gekommen ist. Hattest du einen brillianten Geistesblitz über einen spektakulären, außergewöhnlichen Mordfall, der danach schreit, aufgeschrieben zu werden, dann könnte man sagen, dein Plot war zuerst da. Du wirst ihn weiterspinnen, ausfeilen und dann überlegen, welcher Protagonist sich in dein Krimigespinst einfügen würde. Quasi: Der Plot zieht die richtigen Charaktere nach sich.

Manchmal aber möchte man über einen ganz bestimmten Charakter schreiben. Ich zum Beispiel möchte irgendwann über eine junge Frau schreiben, die sich mit Heilkräutern auskennt und als Ärztin oder so in der Art arbeitet. Ich liebe Geschichten über gebrochene Knochen, eiternde Geschwüre und komplizierte Geburten! Hier würde quasi der Charakter zuerst stehen, und die Handlung müsste ich drumherum entwickeln. Quasi: Die Charaktere bestimmen den Plot.

Beginnst du mit dem Plot?

Ein wenig hängt es auch vom Genre ab, in dem du schreibst. Ein Krimi oder Thriller verlangt nach einem ganz besonders ausgefeilten Plot. Das heißt natürlich nicht, dass du bei der Charakterentwicklung schlampern sollst, aber mit einer langweiligen, vorhersehbaren Handlung kannst du bei einem Krimi die interessantesten und tiefgründigsten Charaktere haben und der Leser wird das Buch wahrscheinlich trotzdem zur Seite legen. Dies wären so typische Beispiele für handlungsorientierte Plots, bei denen die Handlung im Vordergrund steht und die Figuren diese zwar stützen, aber nicht dominieren. Auch bei Fantasy-Romanen ist dies oft der Fall. Ich habe mir schon einige Fantasy-Geschichten ausgedacht und jedes Mal kam mir zuerst die Idee für eine besonders tolle Handlung. Erst danach habe ich überlegt, welche Figuren denn da reinpassen könnten.

Aber nochmals: Dies ist kein Grund, bei der anschließenden Charakterentwicklung Abstriche zu machen! Gib dir Mühe, auch wenn deine Handlung noch so toll ist und du endlich anfangen möchtest mit Schreiben. Diesen Fehler habe ich nämlich bei meinem Drachenbuch gemacht. Ich war so begeistert von meiner Geschichte und hatte immerhin den Protagonisten und seine Kameraden sowie den Antagonisten soweit entwickelt. Auch das erste Drittel der Geschichte war schon geschrieben, als mich eine Testleserin darauf aufmerksam gemacht hatte, dass mein Drache irgendwie nicht greifbar wäre, platt und ohne Konturen. Tatsächlich habe ich die Drachen einfach vergessen. Alle menschlichen Hauptfiguren hatten ihre Eigenheiten verpasst bekommen, aber auf die Idee, auch den Drachen eine unverwechselbare Persönlichkeit zu geben, war ich gar nicht gekommen. Dieser schreckliche Fehler kostete mich viel Überarbeitungszeit.

Einstieg über die Handlung

Gehst du also zunächst von der Handlung aus, finden sich die Hauptfiguren erst später und du musst sie deinem Plot anpassen. Das kann allerdings manchmal schwierig sein, denn wenn du die Figuren erst später entwickelst, wirst du feststellen, dass manche Charaktereigenschaft den Plot durchaus beeinflusst, sodass dieser gegebenenfalls nochmal geändert werden muss. Oder die Charaktereigenschaft passt vielleicht am Ende des Plots, aber nicht am Anfang (der Protagonist soll schließlich was lernen!). Vielleicht muss dein Protagonist am Anfang recht stark sein, um eine bestimmte Handlung zu begehen (z.B. einen Freund aus den Klauen eines Löwen zu retten), aber zu guter Letzt sollte er ja eine Entwicklung durchgemacht haben, das heißt, eigentlich wäre es besser, er wäre am Anfang eher zögerlich und hätte am Ende gelernt, mutig und stark zu sein. Dann musst du die Szene mit dem Löwen streichen und dir etwas Neues ausdenken.

Wenn du also am liebsten mit dem Plot beginnst, empfiehlt es sich, diesen erst einmal grob zu entwerfen und dann doch recht früh in die Figurenentwicklung zu gehen und das Ganze parallel weiterzutreiben.

Beginnst du mit den Figuren?

Genres, in denen die Charakterentwicklung besonders wichtig ist für die Qualität eines Romans, sind z.B. Liebes- oder Gesellschaftsromane. Hier musst deine Charaktere besonders sorgfältig entwickeln, damit der Leser mit deinen Figuren mitleidet, mitfiebert und mit ihnen mitreisen möchte. Denn meistens gibt es nicht unbedingt groß Action in der Handlung, weil es Geschichten sind, die mit ihren Figuren stehen und fallen und die Handlung eher den äußeren Rahmen darstellt. Solche Bücher werden dann von den inneren Konflikten getragen, die die Charaktere mit sich ausfechten und die auch wahnsinnig spannend sein können. Aber selbstverständlich kann auch erst die Figur eines Kommissars vor deinem inneren Auge auftauchen und erst dann überlegst du, welche Mordfälle er lösen könnte. Alles ist möglich.

Einstieg über die Charakterentwicklung

Wenn du über die Charakterentwicklung in einen Roman einsteigst, gehst du vielleicht folgendermaßen vor: Dir schwebt ein Protagonist (oder Antagonist) vor mit ganz bestimmten Eigenschaften, die dich faszinieren. Zum Beispiel möchtest du unbedingt einen Liebesroman über einen kleinen, schwächlichen, schüchternen, rothaarigen jungen Mann mit beginnender Glatze schreiben, der am Ende endlich die Liebe seines Lebens trifft. Wie er das anstellt, wäre dann schon wieder die Plotüberlegung. Du hast also eine ganz bestimmte visuelle Vorstellung deines Protagonisten (klein, rothaarig, beginnende Glatze) und du hast ihm bereits bestimmte Eigenschaften zugeordnet (schwächlich und schüchtern). Jetzt fehlt dir noch seine Vergangenheit. Warum ist er so geworden, wie er ist? Wie ist seine aktuelle Situation?

Also, hauch deinen Charakteren Leben ein, gib ihnen eine interessante Vergangenheit, furchtbare Probleme, kühne Träume, eine schrecklich komplizierte Familie, bösartige oder wundervolle Freunde, ein süßes Haustier und alles, was dir sonst noch so einfällt. Irgendwann kommt dann der Moment, wo du das Gefühl hast, dass eine fast reale Person vor dir steht, deren Persönlichkeit greifbar, anschaulich und nachvollziehbar ist. Je tiefer du in die Charakterentwicklung einsteigst, je mehr Details dir zu deiner Figur einfallen, desto mehr Ideen für Konflikte entstehen. Und aus diesen Konflikten entsteht dann die Handlung.

Für einen guten Roman ist beides wichtig

Womit auch immer du anfängst, ob dir zuerst die Figur vor deinem inneren Auge erscheint oder eine irre spannende Handlung, ist aber im Prinzip egal, denn das eine verwebt sich im Verlauf der Entwicklung der Geschichte mit dem anderen so fest, dass es nicht mehr zu trennen ist. Jedenfalls bei einem guten Roman. Sind Charaktere nach Belieben austauschbar, solltest du dir Gedanken machen. Es gibt auch Bücher mit einem total langweiligen Plot, manchmal gar noch künstlich in die Länge gezogen. Am schlimmsten ist es natürlich, wenn beides der Fall ist!

Merke also: Egal, mit was du zuerst anfängst, Plot oder Charaktere, beides ist für einen guten Roman wichtig!

Egal, in welchem Genre du schreibst und mit was du beginnst, beide Aspekte, also Plot und Charaktere, solltest du sehr sorgfältig entwickeln. Hinterher mag man vielleicht eine leichte Gewichtung in die eine oder andere Richtung feststellen, Aber dennoch sollte eine spannende Geschichte mit starken Charakteren herauskommen, die dem Leser im Gedächtnis bleibt.

Probiere ruhig einmal beide Varianten aus. Ich denke, es wird sich schnell zeigen, was dir leichter fällt. Es könnte auch sein, dass sich das im Laufe der Zeit, wenn du mehr Erfahrung hast, ändert. Oder es variiert sogar von Roman zu Roman? Überlege, wo dir schneller Ideen kommen. Fällt dir mehr über den Plot ein oder über deinen Hauptcharakter? Arbeite ruhig so, wie es dir passt, nur vernachlässige keinen der beiden Punkte. Hinterher, wenn dein Roman fertig ist und im Laden steht, fragt sowieso niemand mehr danach.

 

Wie gehst du vor, entwickelst du zuerst den Plot oder die Charaktere?

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