4 Merkmale einer spannenden Romanfigur

Vier Merkmale einer spannenden Romanfigur

Es ist wichtig, dass wir gute Romanfiguren entwickeln. Hat man einen spannenden Charakter, mit dem sich die Leserinnen und Leser identifizieren und mitfiebern können, ist dies schon die halbe Miete auf dem Weg zum Bestseller. Einfach nur, weil die Figur so genial ist. Alle Welt spricht beispielsweise von Harry Potter – als wäre er eine echte, lebende Person. Wir alle haben das Gefühl, ihn zu kennen … gigantisch, oder? Dabei ist er „nur” eine perfekt entwickelte Romanfigur.

Was aber macht eine Figur so interessant, dass man sogar manchmal einen unrealistischen oder holprigen Plot verzeiht?

Charaktere, die erfolgreich im Gedächtnis der Leser behalten werden, weisen ein paar Merkmale auf.  

1. Der Charakter brennt für etwas

Dies ist der vielleicht wichtigste Punkt. Leser mögen Figuren, die ihre Ziele klar verfolgen. Und vor allem: Die dabei aktiv handeln. Ein Romancharakter, der sich ins Gedächtnis einbrennt, ist kein passiver Sofahocker, sondern handelt aktiv und treibt die Handlung voran. Er tut alles, um sein Ziel zu erreichen!
Natürlich heißt das nicht, dass er schnurstracks zum Ziel rast. Konflikte und Probleme sind die Würze, mit denen sich der Held auseinandersetzen muss. Durch Schwierigkeiten und Hindernisse wächst die Figur und es entsteht ein spannender Plot. Je höher die Fallhöhe, also je größer das Risiko zu scheitern, desto mehr fiebert der Leser mit.
Ein negatives Selbstbild kann dabei durchaus vorhanden sein. Aber ein geliebter Protagonist suhlt sich nicht in der Opferrolle oder zickt nervig herum, sondern stellt sich Herausforderungen. Er strengt sich bis zur totalen Erschöpfung an, um das Ziel zu erreichen.
Ich denke, die Botschaft ist klar.
Ein aktiver Held ist besser als ein passiver, ein mutiger ist besser als ein zögerlicher, der seinen Hintern nicht hochkriegt.

Um bei Harry Potter zu bleiben – er riskiert ganz schön viel, am Ende sogar sein Leben, um seinen Feind Voldemort zu besiegen.  

2. Der Charakter weist etwas Besonderes auf

Eine Hauptfigur sollte sich von allen anderen Charakteren abheben. Er sollte besondere Eigenschaften haben, die ihm Individualität verleihen.
Das kann etwas Körperliches sein – wie bei Harry die Blitznarbe oder seine charakteristische Brille. Oder aber ein besonderes Talent – Katniss Everdeen zum Beispiel hat ein besonderes Talent zum Bogenschießen oder James Bond kommt gut bei Frauen an …
Es sollte etwas sein, was den Charakter aus der Masse hervorstechen lässt – gerne auch etwas exzentrisch. Hauptsache, es macht deine Figur unverkennbar.

Denke an: Besondere Sprechweisen, Körpersprache, Aussehen, Vorlieben und Abneigungen, Gewohnheiten, Reaktionsweisen, Schrullen und Macken, Talente, Gaben und Fertigkeiten.

Wichtig hierbei ist zu beachten, dass diese Besonderheit natürlich auch eine Rolle im Plot spielen sollte. Deine Figur sollte ihr Talent oder ihre Gabe auch benutzen. Wenn du deinen Protagonisten mit einem besonderen Talent ausstattest, andere Menschen überzeugend anzulügen, so musst du eine solche Situation im Plot auch herbeiführen. Lass ihn durch sein Lügentalent das Leben seiner Freundin/ seines Kindes / seines Haustieres retten – die Sympathien der Leser werden auf seiner Seite sein.  

3. Der Charakter darf nicht perfekt sein

Perfekte Figuren sind unsympathisch. Harry Potter ist auch nicht perfekt, er ist zum Beispiel eher durchschnittlich in der Schule und wird hier von Hermine übertroffen. Seine Stärken liegen dafür woanders, und genau das macht ihn sympathisch.
Eine Figur ohne Schwächen ist zum einen furchtbar langweilig und zum anderen fehlt ihr das Potential, sich zu entwickeln. Leser möchten an der Entwicklung der Figur teilhaben und sich freuen, wenn sie ihre Schwäche(n) überwindet. Denn das gibt Mut …
Wir werden ja schließlich im realen Leben auch von Zweifeln geplagt, hadern mit unserem Schicksal und fragen uns, warum ausgerechnet ich? Wenn die Figur sich dann aufrappelt und mutig voranschreitet, spornt das an. Oder wenn eine falsche Entscheidung getroffen wird, nicken wir teilnahmsvoll und denken, das hätte mir auch passieren können … und freuen uns, wenn die Protagonistin das Ruder am Ende doch noch herumreißen kann.
Eine Figur sollte also mit menschlichen Schwächen ausgestattet sein – so erreichst du am besten, dass sich die Leserinnen und Leser mit ihr identifizieren. Im Verlauf der Geschichte darf sie dann ruhig einige Schwächen ablegen.  

4. Die Motivation des Charakters

Jede Figur handelt – und sie muss einen Grund zum Handeln haben. Ergo braucht sie eine Motivation. Harry Potter möchte Voldemort besiegen und aus dieser Motivation heraus handelt er.
Um die Motivation deiner Figuren zu kennen und um sie glaubhaft agieren zu lassen, musst du sie sehr gut kennen. Ihr gesamtes Innenleben ist wichtig und das ergibt sich auch aus äußeren Umständen. Also welchen sozialen Hintergrund hat die Person, wie gebildet ist sie, wer sind ihre Eltern und all diese Dinge. Deine Figur braucht eine Vergangenheit – aber auch eine Zukunft: Das ist ihr Ziel, das sie unbedingt erreichen will.
Entwickle also ein komplettes Leben für deine Figur. Was hat sie am meisten geprägt?
Je besser du deinen Charakter kennst, desto klarer ist dir auch, wie er in den Situationen handeln wird, in die du ihn in deiner Geschichte bringst.
Du kannst hierfür gerne einen Charakterbogen verwenden – hier findest du eine Vorlage. Beachte hierbei nur, dass du natürlich nicht die gesamte Lebensgeschichte der Figur im Roman ausbreiten solltest. Die meisten Infos sind nur für dich wichtig, damit du glaubhaft darstellen kannst, warum die Figur so und nicht anders handelt. Der Leser muss nur das Nötigste mitbekommen.  

Lebendige Charaktere bleiben dem Leser selbst dann noch im Gedächtnis, wenn er das Buch längst zu Ende gelesen hat. Deshalb lohnt es sich, sich mit der Charakterentwicklung viel Mühe zu machen und entsprechend Zeit zu investieren.  
Überprüfe deine Protagonisten doch einmal auf diese vier Punkte. Hast du alle vier Punkte zufriedenstellend abgedeckt?

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