Die First-Brick-Methode – endlich anfangen und durchhalten

Das Thema Zeitmanagement lässt mich nicht los.
Zeitmanagement hat schon viel mit der Schreiberei zu tun – aber nur mal nebenbei, auch im Privatleben oder im Beruf profitierst du davon.

Warum sind wir Menschen so veranlagt, dass wir alle wichtigen Dinge herausschieben???

Ich habe es noch nicht herausgefunden, aber stattdessen will ich dir ein paar Tricks an die Hand geben, wie du endlich anfangen kannst und der Aufschieberitis einen Riegel vorschiebst.

Vor einiger Zeit las ich das Buch von Tim Reichel Bachelor of Time – Zeitmanagement im Studium.

Darin war eine einfache Methode beschrieben, die ich neuerdings anwende und die ich einfach genial finde, weil sie so leicht umzusetzen ist und so wunderbar motiviert.

Den meisten fällt eigentlich gar nicht so sehr das Schreiben an sich schwer, sondern es ist der Anfang, der uns stöhnen lässt. Der Gedanke, jetzt vom Sofa aufstehen und sich anstrengen zu müssen, ist uns verhasst.

Die First-Brick-Methode

Dies ist eine so einfache Methode, die eigentlich jeder bestimmt schon mal irgendwie intuitiv angewendet hat. Aber es steckt eine psychologische Komponente dahinter, die nicht zu unterschätzen ist.

Ein Buch zu schreiben ist eine gewaltige Aufgabe. Oft dauert es mehrere Monate oder gar Jahre, bis erst einmal der Rohentwurf steht.

Das bedeutet, dass man auch erst nach dieser langen Zeit einen Erfolg sieht bzw. für seine Arbeit belohnt wird, vielleicht durch eine Veröffentlichung. Die meisten Menschen sind nun aber so gestrickt, dass sie sofort belohnt werden wollen. Zum Beispiel durch einen gemütlichen Fernsehabend.

Viele verzweifeln vor diesem Berg an Arbeit, hören nach der ersten Euphorie auf oder fangen gar nicht erst an.

Die chinesische Mauer

chinesische Mauer

Die chinesische Mauer ist ein 21 000 km langes Bauwerk. Man hat im 7. Jahrhundert vor Chr. angefangen, sie zu bauen. In späteren Jahrhunderten bis ins 17. Jahrhundert hinein wurde sie immer wieder erweitert. Im Prinzip war die Mauer also nie fertig. Selbst heute bauen die Chinesen noch daran herum, um sie zu erhalten und zu restaurieren.

Was hat nun die chinesische Mauer mit unseren Schwierigkeiten, in die Gänge zu kommen, zu tun? Ganz einfach. Auch der Bau der chinesischen Mauer fing mit einem allerersten Stein an – mit dem „first brick in the wall”.

Ist dieser erste Stein erst einmal gesetzt, läuft es deutlich leichter.

Bestimmt hast du es auch schon einmal gemerkt. Hast du dich endlich aufgerafft, dich an den Schreibtisch zu setzen, mit dem Gedanken „Ach, heute mach ich nur das Nötigste. Nur die eine Szene, wo Tim und Alina sich streiten”. Und dann kommt dir noch eine Idee, wie Alina außerdem reagieren könnte, und das schreibst du auch noch auf und ach, eigentlich könntest du noch die nächste Szene anfügen, es läuft doch gerade so gut … und schwupps, hast du plötzlich 2000 Wörter heruntergeschrieben, ohne groß nachzudenken.

Manchmal ist das nämlich so. Die Lust kommt erst beim Tun. Der Appetit kommt erst beim Essen. Und so weiter.

Wie kannst du konkret vorgehen?

Es ist wichtig, dir bewusst zu machen, dass dein Ziel, einen ganzen Roman zu schreiben, viel zu gewaltig ist, um es in absehbarer Zeit zu erreichen. Deshalb solltest du dieses unübersichtliche Ziel erst einmal in Teilziele herunterbrechen. Wenn wir jetzt nur vom reinen Schreibprozess reden, könnte dies vielleicht sein:

  1. Ich brauche für diese Geschichte ca. 80 – bis 90 000 Wörter.
  2. Da ich noch zur Schule/Uni/Arbeit gehe, schaffe ich pro Tag nur 500 Wörter. Es ist also realistisch, dass ich den Rohentwurf meines Romans mit diesem Schreibtempo in ca. 6 Monaten fertig habe.

Du siehst also, dass du selbst mit kleinen Schritten, nämlich „nur” 500 Wörter am Tag, relativ flott fertig bist. Dein kleines Tagesziel sind also nur die 500 Wörter, und die schaffst du locker in einer halben bis einer ganzen Stunde herunterzuschreiben. Vorteilhaft ist natürlich, wenn du im Zehnfingersystem tippen kannst und vorher wenigstens grob geplottet hast.

Dein Gehirn weiß jetzt, dass du auf jeden Fall in ca. einem halben Jahr fertig bist und ist ganz entspannt bei dem Gedanken an die heutigen 500 Wörter. Es redet dir nicht mehr ein „Oh Himmel, das schaffe ich nicht, das ist viel zu viel, ein ganzes Buch, oh nein, wie soll ich das hinkriegen???” Im Gegenteil, dein Gehirn hat kapiert, dass diese Aufgabe locker zu bewältigen ist. Nämlich Schritt für Schritt.

Und wenn du mehr schaffst als die angepeilten 500 Wörter – herzlichen Glückwunsch. Du hast dir einen Puffer für stressige Zeiten geschaffen oder, ganz klasse, du bist früher als geplant fertig.

Die First-Brick-Methode ist vielseitig anwendbar

Das Ganze funktioniert natürlich auch für den Gesamtprozess des Bücherschreibens, inklusive Ideenfindung, Plotten, Schreiben des Rohentwurfs, Überarbeitung, Testleser- und Lektoratsphase, Veröffentlichung und Marketing.

Oder aber für andere deiner Lebensbereiche. Ich zum Beispiel habe festgestellt, dass ich durch die viele Schreibtischarbeit ziemlich unfit geworden bin. Allerdings weiß ich ganz genau, dass ich große Sporteinheiten, wie zum Beispiel eine Stunde joggen zu gehen oder mich im Fitnessstudio anzumelden, sowieso nicht durchhalte. Das geht ein paar Wochen gut, dann stellt sich wieder der Schlendrian ein. Stattdessen habe ich mir zum Ziel gesetzt, jeden Tag zehn bis fünfzehn Minuten zwischen dem Schreiben aufzustehen und kleine Kraftsporteinheiten zu machen. Auch das summiert sich auf lange Zeit gesehen und ist immer noch besser als gar nichts zu tun!

Zusätzliche Tipps zur First-Brick-Methode

  • Setze dir am Anfang kleine, überschaubare Ziele. Fang lieber mit wenigen Wörtern am Tag an, wo du weißt, dass du sie auch wirklich durchhalten kannst. Deine Wortzahl erhöhen kannst du immer noch, aber wenn du dir am Anfang zu große Aufgaben setzt, erzeugt das nur Frust und die Methode funktioniert nicht, sondern geht nach hinten los.
  • Nimm dir auch wirklich die Zeit und rechne dein Ziel durch. Durch das Plotten vorher weißt du schon ungefähr, wie viele Wörter dein Roman haben wird. Hast du ein anderes Ziel, so definiere es klar und unterteile es in erreichbare, kleine Teilziele.
  • Zur Motivation kannst du dir dein Ziel gerne auf ein Stück Papier notieren und an deinen Computer hängen. Etwa: Fertigstellung des Rohentwurfs: 1. September!!!

Kleiner persönlicher Einschub: Ich selbst hab mir auch noch die Halbzeit notiert: 50000 Wörter am 10. Juni
Tatsächlich erreicht habe ich dieses Teilziel schon am 5. Juni, hurra! Dadurch korrigiert sich mein Gesamtziel von 100000 Wörtern auf den 25. Juli, bei 1000 Wörtern pro Tag. Allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich mal wieder nicht mit 100000 Wörtern hinkomme. Anfang August dürfte der Rohentwurf des zweiten Bandes des Drachenbuchs fertig sein. Na, hoffentlich!

Diese Methode ist wirklich leicht anzuwenden und kostet dich kaum Zeit. Und Zeit ist ja bekanntlich unser kostbarstes Gut, vor allem für mich mit meinem vollgepackten Alltag. Deshalb liebe ich die First-Brick-Methode!

Zusammenfassung

Zerteile einfach alle riesigen Aufgaben/ Vorhaben in kleine Teilziele, sprich Tagesaufgaben, und große Aufgaben werden ihren Schrecken verlieren.

Wendest du die First-Brick-Methode an? Wie sind deine Erfahrungen damit? Teile es gerne in den Kommentaren mit!

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