So verwendest du Inquit-Formeln im Dialog richtig

Inquit-Formeln Gespräch
Sogenannte Sprecherverben oder Inquits (vom lat. „er, sie, es sagt” oder „sagte”) braucht man, um anzuzeigen, wer in einem Dialog jetzt gerade dran ist mit Sprechen.
Solche Redebegleitsätze bergen allerdings Stolperfallen. Man kann leider ziemlich viel falsch machen mit ihnen.
Deshalb hier ein paar Tipps zur Verwendung von Inquit-Formeln.

 

1. Halte deine Redebegleitsätze möglichst schlicht

Viele Autoren sind der Meinung, dass ein reines „sagte” reichlich langweilig ist und verwenden allerlei kreative Synonyme. Man kann es ihnen nicht mal verdenken. Oftmals bekommen wir es in der Schule so beigebracht.
Warum aber ist das nicht geschickt?
Ein Begleitsatz hat die Funktion, den Sprecher anzuzeigen, sonst nichts. Wichtig ist nämlich der Dialog an sich. Daher stören solche schillernden Redebegleitsätze nur den Fluss des Dialogs!
In manchen Schreibratgebern findet man sogar den Hinweis, dass solche Redebegleitsätze eine Art des „tells” sind, weil sie dem Leser vorschreiben, wie er die wörtliche Rede zu verstehen hat.
Deshalb ist ein wiederholtes „sagte”, „sagte” und nochmals „sagte” und vielleicht mal ein „fragte” keinesfalls langweilig, sondern erleichtert dem Leser, dem eigentlichen Dialog zu folgen, indem jegliche Ablenkung verhindert wird. Über „sagte” liest man nämlich einfach hinweg. Es ist ein ganz neutrales, einfaches Verb. Aber „kreischte”, „brummte”, „jammerte” zieht die Aufmerksamkeit der Leserin auf sich und verschiebt den Dialog in den Hintergrund.
Soweit die Theorie.
Nun ja. Wie so oft muss es nicht immer rein schwarz oder weiß sein. Ich persönlich finde, man muss keine Angst vor wiederholtem „sagte” haben, aber umgekehrt auch nicht, wenn man mal etwas anderes einflicht.

 

Tipp: Überprüfe, ob du vielleicht durch Mimik oder Gestik deines Sprechenden das Gewünschte ausdrücken kannst (gib dir Mühe!). Wenn nicht, so kann man sich hin und wieder ein kreativeres Sprecherverb erlauben.
Aufgefallen ist mir das ständige Verwenden von „sagte”, als ich mit meinen Kindern das Buch von Paul Maar „Am Samstag kam das Sams zurück” gelesen habe. Allerdings ist das schon einige Jahre her und anscheinend hat sich meine Erinnerung verfälscht, denn wenn man diese Leseprobe hier aufmerksam durchgeht, stellt man fest, dass Paul Maar keinesfalls nur „sagte” oder „fragte” benutzt. Tatsächlich „begeht” er sogar einige der „Fehler”, die ich hier aufzähle ! 🙂 Da sieht man doch mal wieder, dass keine Regel in Stein gemeißelt ist. Nur kennen sollte man sie.

 

2. Umschreibungen des Sprechers lenken unnötig ab

„Morgen kommt Petra”, sagte die braunäugige Dame.
Hier bekommt der Leser zwei Informationen auf einmal, nämlich dass Petra kommt, und zusätzlich noch, dass die Dame braune Augen hat. Was ist nun wichtiger?
Sicherlich, dass Petra kommt. Ich denke nicht, dass die Augenfarbe der Dame eine wesentliche Rolle in der Geschichte spielt. Und deshalb sollte man diese Info weglassen. Der Fokus des Lesers bleibt dann auf der relevanten Information.
Gut, es könnte sein, dass sich zwei unbekannte Damen miteinander unterhalten, eine braunäugige und eine blauäugige vielleicht?. Dann muss man sie irgendwie unterscheiden. Aber geschickt ist das nicht. Ich hoffe, es kommt rüber, was ich mit unnötigen Umschreibungen der Sprecher meine.
Benutze einfach die Namen der Sprechenden und ersetze sie so oft es geht mit „sie” oder „er”.

 

3. Benutze keine Inquit-Formeln, die eigentlich gar keine sind

Damit meine ich Verben wie lachte, nickte und so weiter, die keine verbale Äußerung kennzeichnen.
Ich fand in meinem ersten Manuskript einmal den Satz:
„Nun, wenn ich für Felix ein neues Wandbild male, kann ich bei dir schlecht Nein sagen”, lachte die Mutter.
An diesem Satz hatte mich immer etwas gestört, nur konnte ich es nicht benennen. Heute weiß ich es natürlich: Man kann einen Satz nicht „lachen”.
Korrekt ist es so:
Die Mutter lachte. „Nun, wenn ich für Felix ein neues Wandbild male, kann ich bei dir schlecht Nein sagen.”

 

4. Inquit-Formeln können durch Handlung ersetzt werden

Man muss nicht ständig „sagte”, „sagte”, „sagte” schreiben. Das wirkt natürlich blöd, wenn es in jedem Satz auftaucht. Stattdessen kann man durch Beschreibung der Mimik und Gestik anzeigen, wer gerade spricht. So lockerst du deinen Dialog schon mal etwas auf, vermeidest die ständige Wiederholung von „sagen” und vermeidest weiterhin allzu kreative Sprecherverben (siehe Punkt 1).
Aber Vorsicht, natürlich ist es auch nicht geschickt, wenn deine Figuren ständig seufzen, nicken, die Augenbrauen hochziehen oder sonstige wiederholte Gesten vollführen. Handlung sollte zur Situation und zu den Figuren passen.
Beispiel:
Paul wandte den Blick zur Seite. „Ich komme nicht mit.”
Hier ist kein Redebegleitsatz nötig. Wir wissen, dass Paul spricht.

 

5. Manchmal sind überhaupt keine Redebegleitsätze nötig

Das ist der Fall, wenn sich zum Beispiel nur zwei Personen unterhalten. Dann ist klar, dass sie abwechselnd reden. Ab und zu sollte man vielleicht noch ein Sprecherverb einfügen, damit der Leser sich sicher sein kann, dass er nicht in den Zeilen verrutscht ist (du erinnerst dich: Jeder Wechsel des Sprechers erfordert einen neuen Absatz).
Dies ist auch ein schönes Stilmittel, wenn du beispielsweise einen raschen Schlagabtausch zwischen zwei Figuren darstellen willst. Nichts lenkt vom Dialog ab, das Lesetempo ist rasch und entspricht dem Tempo der Handlung.

 

6. Vermeide Adverbien zu den Inquit-Formeln

Warum Adverbien bzw. Adjektive ganz allgemein zu vermeiden sind, kannst du hier nachlesen. Sie stellen eine Form des „tells” dar und soll dem Leser erklären, wie der Dialog zu verstehen ist. Hier ist es allemal besser, durch Handlung zu zeigen, wie die Figur spricht, als mit Adverbien um sich zu werfen.

 

Beispiel:
„War das Irene?”, fragte Paul fassungslos.

 

Besser:
Paul fuhr herum und starrte sie an. „War das Irene?”

 

7.  Streiche unnötige Inquit-Formeln

Manchmal passiert es, dass man doppelt ausdrückt, wer spricht. Achte mal in deinen Texten darauf. Ich habe mich selbst öfter dabei ertappt. Meistens ist es eine Handlung eines Sprechers, die man beschreibt, und man fügt zusätzlich noch eine Inquit-Formel ein. Das ist natürlich unnötig.

 

Beispiel:
„Das ist natürlich ungeschickt”, sagte Laurin und seufzte.
Oder so:
Laurin seufzte. „Das ist natürlich ungeschickt”, sagte er.
Beide Ausdrucksweisen enthalten doppelte Information, dass Laurin der Sprecher ist.
Besser wäre:
Laurin seufzte. „Das ist natürlich ungeschickt.”

 

8. Stelle so früh wie möglich klar, wer spricht

Stelle die Inquit-Formel möglichst an den Anfang. Sonst rätselt die Leserin während des gesamten Satzes, wer da überhaupt spricht. Sehr ungeschickt.

 

Beispiel:
„Tante Anna kommt morgen. Ich war vorhin in der Stadt, um ihr ein Geschenk zu besorgen. Vielleicht möchtest du dich daran beteiligen”, sagte Vera.
Besser:
„Tante Anna kommt morgen”, sagte Vera. „Ich war vorhin in der Stadt, um ihr ein Geschenk zu besorgen. Vielleicht möchtest du dich daran beteiligen.”

 

9. Vermeide Fehler in der zeitlichen Abfolge

Manchmal beschreibt man, wie eine Person spricht.
Also beispielsweise:
Torstens Stimme klang brüchig, als er sich zu Lena hinabbeugte und sagte: „Morgen muss ich fort.”

 

Was ist daran falsch? Nun, wir erfahren, noch bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat, dass seine Stimme brüchig klingt. Das stimmt von der zeitlichen Abfolge nicht. Überhaupt achte mal auf den Gebrauch des Wörtchens „als”. Diese Regel gilt nämlich nicht nur für Sprecherverben, sondern generell. Die zeitliche Abfolge sollte immer stimmen.

 

Besser wäre so:
Torsten beugte sich zu Lena hinab. „Morgen muss ich fort.” Seine Stimme klang brüchig.

 

Und zu guter Letzt möchte ich noch einen link zu einem genialen Dialog teilen, der fast alles auf humorvolle Weise ausdrückt, was ich in diesen Tipps hier beschrieben habe. Wenn man ihn liest, kann man sich diese Regeln noch viel besser vergegenwärtigen und merken. Echt super!
Update 2023: Leider hat der Autor diesen genialen Dialog gelöscht. Sehr schade!

One thought on “So verwendest du Inquit-Formeln im Dialog richtig

  1. Eiersalat

    September 30, 2019 at 11:40am

    Leider ,,überlese“ ich Inquit-Formeln kein Stück, weil sie oft nichts aussagen und ,,meine Zeit verschwenden“, falls sie keine Missverständnisse ausräumen. Ich kann allgemein keine ständigen Wiederholungen leiden und wenn jeder Satz so simpel sein muss, dass auch der Dümmste ein ungetrübtes Bild hat, frage ich mich, wieso ich so weit unten ansetzen muss, um was zu lesen? Dieser ,,Bestseller-Schreibstil“ führt oft dazu, dass ich keine Bestseller lese(n kann) (inklusive Harry Potter) und trotz meiner Liebe zu Geschichten mittlerweile eher auf alte oder Sachbücher zurückgreife. ,,Falsche Inquit-Formeln“ fühlen sich daher für mich wie einmal Aufatmen an, auch, wenn man sie stellenweise komplett mit Handlung ersetzt, das ist wenigstens ein Zeichen von Abwechslung. Vermutlich bin ich ein seltener Fall, oder? Geht es anderen auch so?
    In vielen Geschichten ist der Plot so vorhersehbar und damit keine Herausforderung mehr, weshalb Schreibstil und soziale Interaktionen für mich zum Wichtigsten werden, oder die Atmosphäre. Wenn alles davon aufs Allernötigste, Kantenlose reduziert wird, fühlt es sich für mich auch danach an. Aber da bin ich unerheblich, stimmt’s?

    • Author

      Steffi

      September 30, 2019 at 8:44pm

      Hallo Eiersalat,
      ich hoffe, dass ich dich richtig verstehe. Spielst du auf das wiederholte „sagte“, „sagte“, „sagte“ an? Solche Wiederholungen sind natürlich unangenehm zu lesen (das hat mich bei Paul Maar auch gestört, ich erwähnte es oben). Ich hoffe, ich habe in dem Artikel verständlich auf mögliche Alternativen hingewiesen. Und es geht auch nicht darum, dass „dumme Leute“ ein ungetrübtes Bild haben (die Dümmsten, wer soll das überhaupt sein? Leute, die Bücher lesen, sind im Allgemeinen nicht dumm), sondern darum, dass ein ungestörter Lesefluss erreicht wird. Das ist für Autoren gar nicht mal so einfach zu erreichen. Als Leser merkt man es erst, wenn es holpert, dass da was nicht stimmt.
      Nun ist natürlich der Stil eine gewisse Geschmacksfrage, das mag vielleicht auch die Inquit-Formen betreffen. Aber man sollte die Regeln kennen und erst dann mit ihnen spielen. Ich glaube, du beschwerst dich ganz im Allgemeinen über platte Stories und vorhersehbare Plots. Das ist aber ein anderer Punkt. Sicherlich gibt es auch stilistisch schlecht geschriebene Geschichten mit schlampigen Plots, aber das ist ja genau das Ding, wir Autoren sollten uns Mühe geben, eben NICHT solche Erzählwerke in Umlauf zu bringen. Deshalb der Artikel, aus dem man hoffentlich etwas herausnehmen kann.
      Es gibt eine Menge genial geschriebener Geschichten, vielleicht hast du einfach noch nicht die richtigen gefunden.

      • Hanna

        Juli 26, 2020 at 5:04pm

        Ich persönlich bin der Meinung, gerade wir als Autoren haben die Freiheit, mit der Sprache zu „spielen“ und genau sollte/muss es auch bleiben. An sich finde ich die Tipps sinnvoll, doch halte ich mir bekannte Werke (nehmen wir noch mal das Beispiel „Harry Potter“) vor Augen, dann finde ich auch da Inquit-Formeln, welche den „Regeln“ trotzen. „…, knurrte er“, „…, bellte er“, „…, sagte sie missmutig.“ oder auch: „…, meinte naserümpfend“ … Ich kann nicht sagen, dass mich derartige Nebensätze irritieren. Das Schreiben an sich ist eine kreative Kunst und Kreativsein bedeutet in diesem Fall, nach Belieben mit der Sprache zu arbeiten. Ziel ist doch vor allem eines: Den Leser in eine Welt zu tauchen, welche ich als Autor auf meine ganz persönliche Weise geschaffen habe – ganz einfach. Würden wir uns plötzlich an derartigen Regeln halten, uns von ihnen vielleicht sogar verunsichern lassen, würden die Schreibstile in Romanen usw. am Ende einer 08/15-Massenwahre gleichen und das wäre wohl mehr als traurig.
        Die aufgezählten Ratschläge sind dennoch nicht zu unterschätzen; hin und wieder erscheint es mit sinnvoll, sie zu befolgen.

        • Author

          Steffi

          Juli 27, 2020 at 12:17pm

          Liebe Hanna, vielen Dank für deinen Kommentar. Was du sagst, finde ich sehr wichtig. 08/15-Bücher wollen wir sicherlich nicht. Regeln sind zwar in den meisten Fällen sinnvoll und gut. Vor allem sollte man sie kennen. In diesem Fall, was die Inquit-Formen angeht, finde ich aber auch, dass man sie nicht stur und unter allen Umständen befolgen muss. Sinn und Zweck dieser „Vorschriften“ ist ja eigentlich nur, dass man den Leser nicht durch ungeschickte Wahl der Inquits aus seinem Lesefluss herausreißt. Wenn das gegeben ist, finde ich es auch vertretbar, von den hier genannten Regeln abzuweichen. Das sollte eben dann ganz bewusst geschehen und nicht, weil man keine Ahnung vom Schreiben hat. Daher tun Schreibanfänger sicher gut daran, die Regeln mal einige Zeit lang akribisch im Hinterkopf zu haben. Witzig, dass du gerade Harry Potter erwähnst, den lese ich auch gerade wieder. Wenn du mal reinschaust, dann stellt man fest, dass in sehr, sehr vielen Fällen einfach „sagte“ benutzt wird. Und dann natürlich auch die von dir genannten Beispiele. Sowohl Paul Maar als auch J.K.Rowling sind sehr erfahrene Autoren, denen ich unterstelle, dass sie jedes Wort genau abwägen. Wenn man also weiß, was man tut, sind Abweichungen sicher kein Problem.

  2. Ines

    Juli 18, 2019 at 5:04pm

    Sehr guter Beitrag, ich sehe das genauso.

    Viele Grüße von Ines.

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