Eine Fantasy-Welt erschaffen – 8 Tipps zum Weltenbau

Eine Fantasy-Welt erschaffen - 8 Tipps zum Weltenbau

Wie erschafft man eine Fantasy-Welt?

Als ich den ersten Band der Drachenland-Saga schrieb, habe ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken über das Setting in meiner Fantasy-Welt gemacht. Wichtig war mir die Handlung, der Plot musste spannend sein. Das Drumherum entstand eher so nebenbei.

In meinem Fall würde ich sagen, dass ich intuitiv fast alles richtig gemacht habe. Richtig in dem Sinne, dass es wunderbar geklappt und sich alles an seinen Platz gefügt hat. Aber so ein paar Dinge würde ich im Nachhinein anders anpacken. Zum Beispiel hätte ich doch gerne einen hübschen Namen für mein Drachenland gehabt (*grins*).

Wie geht man beim Fantasy-Welt-Erschaffen nun am besten vor?

1. Eine Liste ausfüllen – sinnvoll oder nicht?

Es lohnt sich, sich vorher ein paar Gedanken zu machen, z.B. über das Magie-System, die Länder, das Klima, die Völker und ihre Kultur.

Im Netz wimmelt es von Listen (z.B. diese Checkliste hier) ,die man mit all diesen Dingen ausfüllen kann. Ich finde diese Listen im Prinzip nicht schlecht. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Autors auf wichtige Dinge, die man nicht vergessen sollte. Allerdings bergen sie auch eine in meinen Augen sehr große Gefahr, sich in unwichtigen Einzelheiten zu verlieren. Man verbringt Tage mit dem Ersinnen eines Bezahlsystems oder von Ehebräuchen, von denen man noch nicht weiß, ob man das überhaupt braucht. Man erschafft Tiere, die letztlich vielleicht im Roman gar nicht vorkommen.

Und die Gefahr, dass man all diese grandiosen Ideen in die Geschichte hineinfließen lassen möchte und so entsetzlich langweiligen Infodump produziert, ist ebenfalls groß.

Mein Tipp
Nutze diese Listen, fülle sie aber nur so weit aus, wie es für deine Geschichte im Moment sinnvoll ist. Was brauchst du wirklich? Das spart eine Menge Zeit. Später, wenn sich die Welt erweitert, kannst du die Liste immer noch ergänzen.

2. Überlege dir einen Plot

Wenn du über die Handlung deiner Geschichte zumindest im Groben Bescheid weißt, weißt du auch, mit welchen Aspekten deiner Fantasy-Welt du dich beschäftigen musst. Das hilft enorm weiter, sich nicht in unnötigen Einzelheiten zu verstricken.

Es gibt offenbar viele, die sich erst einmal eine fantastische Welt ausdenken. Völlig ohne Idee, was für eine Geschichte da stattfinden soll. Manchen macht der Weltenbau sogar so viel Spaß, dass sie gar nicht zum Schreiben kommen, sondern ewig weiterbasteln. So etwas sollte einer Autorin natürlich nicht passieren.

Wenn also dein Plot steht und auch die ersten wichtigen Fragen beim Weltenbau beantwortet sind, starte ruhig den Schreibprozess. Ich garantiere dir, dass du noch eine Menge in deiner Fantasy-Welt ergänzen wirst. Meist kommen einem spontane Ideen beim Schreiben. Hunderterlei Kleinigkeiten, an die man vorher nicht gedacht hat. Und das ist auch gut so. Meist fügt sich alles – wie von Zauberhand – perfekt ein.

Praktischer Tipp:

Überlege dir, was du gerne in deiner Geschichte und somit in deiner Welt hättest.

Ich wollte unbedingt folgende Elemente in meiner Geschichte haben:

  • Eine tropische Inselwelt mit bunten, freundlichen Drachen
  • Ein eher kühler Nordkontinent
  • Eine arktische Eiswüste, wo die Eistrolle leben. Ihr Wunsch, in wärmere Gefilde überzusiedeln, lieferte mir den perfekten Grund für immerwährende Konflikte.
  • Ein Magiesystem für die südliche Inselwelt und eins für den Norden – sie müssen sich unterscheiden
  • Spielraum für weitere Länder, möglicherweise noch unentdeckt. Das hat sich beim dritten Band bewährt – da entdecken meine Protagonisten im Westen ein neues Land.

Wenn du weißt, was du möchtest, kannst du anhand dieser Vorlagen eine (grobe) Karte zeichnen. Dabei überlegst du, wo es auf deiner Karte Sinn macht, die Länder hinzulegen.

Eine andere Vorgehensweise wäre so:

Ich möchte über eine Reise von den tropischen Inseln des Südens zum eisigen Nordkontinent schreiben, wo es eine Burg gibt, aus deren Verliesen meine Protagonisten einen Gefangenen befreien sollen.

Also brauche ich die tropischen Inseln samt ihrer Bewohner und ein bisschen Flora und Fauna (nur wenig Erfundenes, das ist einfacher – siehe Punkt 6), genügend Abstand zum Nordkontinent (wegen des Klimas) und ein Transportmittel, in meinem Fall die Drachen. Außerdem muss ich mir Gedanken über den Standort der Burg, ihrer Bewohner, das Ausmaß und die Vegetation des Nordkontinents und seine Bewohner machen.

Wer sind die Feinde? Warum sind sie Feinde? Anhand dieser Fragen entwickle ich ein Volk im arktischen Norden, das ständig in wärmere Gefilde drängt – die Eistrolle.

Mehr brauche ich erst einmal nicht. Was sonst noch im Meer für Länder sind, bleibt offen und kann in weiteren Geschichten ausgebaut werden.

Im Grunde ähneln sich die beiden Vorgehensweisen, nur der Fokus am Anfang unterscheidet sich.

3. Konzentriere dich auf das, was für deinen Roman wichtig ist

Fantasy-Geschichten können total unterschiedlich sein. Der eine schreibt vielleicht über Intrigen an einem Königshof und muss sich daher mit dem Herrschafts- und Gesellschaftssystem dieses Volkes gut beschäftigen. Dafür kann er die Tier- und Pflanzenwelt außer Acht lassen. Mit dieser muss sich diejenige beschäftigen, die ihre Heldin quer über den erdachten Kontinent schickt – auf der Suche nach dem heiligen Zahn des gemeinen Kurzhalsdrachen. Du verstehst, was ich meine.

Auf welche Punkte (z.B. „Völker” oder „Magie” oder „Herrschaftssystem”, „Landschaft”, „Tierwelt”, ….) du also deinen Schwerpunkt beim Erschaffen deiner Fantasy-Welt legen solltest, hängt also stark von deiner Geschichte ab.

Es ist nicht immer nötig und sinnvoll, sich über eine ganze Welt mit all ihren Millionen Facetten Gedanken zu machen. Vielleicht spielt deine Geschichte nur in einem einzigen Land deiner Fantasy-Welt? Handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte, so brauchst du dir über weitere Länder etc. keine Gedanken machen.

Bist du dir aber nicht sicher, ob es eventuell einen Folgeband geben wird, würde ich folgendermaßen vorgehen: Ich würde nur das Land und die Kultur ausarbeiten, die für das erste Buch wichtig ist. Andere Länder würde ich nur grob skizzieren und eventuell irgendwo im Text beiläufig einfließen lassen, dass es sie gibt. Falls meine Heldin nämlich doch noch in ein anderes Land reist, kann ich auf eines dieser angerissenen Länder zurückgreifen und mit dem Weltenbau fortfahren (aber erst dann!).

Wenn du aber von vorneherein weißt, dass deine Geschichte sich über mehrere Länder, Kulturen und so weiter erstreckt und viele Bände geplant sind, so finde ich es absolut notwendig, sich vorher Gedanken zu machen. Es könnte ja sein, dass du für die Auflösung eines Konfliktes ein heißes, trockenes Klima brauchst – aber dein Held rennt gerade in der Arktis herum. Und jetzt lege mal eine Wüste neben Eis und Schnee … Oder der Bote aus Land A soll so rasch wie möglich nach B, müsste aber durch C, aber dort ist dummerweise Krieg … Solche Widersprüche treten mit einer guten Planung erst gar nicht auf.

Natürlich kannst du selbst mit einem akribischen Weltenbau und genauem Plot nie alle Eventualitäten herausfiltern, aber trotzdem sparst du dir viel Arbeit, wenn du zumindest die Eckdaten der Länder, Klimazonen, Gebräuche im Voraus festlegst. Und sollte es dann doch zu einem Widerspruch kommen, so musst du eben während des Schreibens kreativ werden.

4. Übertreibe es nicht

Du selbst beschäftigst dich sicher monate-, wenn nicht gar jahrelang mit deiner Fantasy-Welt. Deine Leser aber werden deine Geschichte in einer überschaubaren Zahl an Stunden durchgelesen haben. Daher haben sie keine Zeit, sich 100 exotische Tierarten zu merken oder 30 Arten, wie ein Zauberer Feinde ohne Blutvergießen eliminieren kann. Überfordere also deine Leser nicht. Es ist nichts anderes als Infodump, wenn über zig Seiten hinweg das Magiesystem erläutert wird.

Ja, auch mir ist es schwergefallen, Beschreibungen über Drachengebräuche zu löschen. So mühsam ausgedacht und der Leser muss doch UNBEDINGT wissen, auf welcher Insel welche Drachenart lebt … Nein, leider ist das überhaupt nicht der Fall. Der Leser interessiert sich für die Story und möchte wissen, wie es weitergeht. Nichts anderes. Da stört die fünfzehnte blauweiße Drachenart auf den felsigen Atoll-Inseln nur.

Die Frage ist sowieso, ob fünfzehn Drachenarten nicht viel zu viel sind (in meinem Drachenland gibt es gottseidank nur zwei Arten). Je verworrener, desto mühsamer für den Leser.

5. Es muss nicht zu exotisch sein

Ich lese gerne Fantasy. Aber wenn ich mir manchmal die Klappentexte von einigen Büchern so durchlese, sprechen mich nur wenige auf Anhieb an. Das liegt daran, dass manche Klappentexte vor fremdartigen Wesen, Namen, Ländern nur so wimmeln. Ehrlich gesagt ist es mühsam, sich auf so viel Neues und Andersartiges einzulassen.

Einfacher ist es für Leserinnen wie mich, wenn die Fantasy-Welt an Bekanntem anknüpft. Die meisten spricht eine mittelalterlich geprägte Welt an. Vom Mittelalter haben wir eine gewisse Vorstellung, zum Beispiel, dass man kein elektrisches Licht hat, Pferde als Transportmittel dienen und so weiter. Man muss sich da nicht durch seitenweise Erklärungen durchlesen.

Beispielsweise gibt es in meinem Drachenland einen Mond, und zwar den ganz normalen Mond wie wir ihn kennen. Die Leserinnen wissen, dass er abnimmt und zunimmt und ungefähr in vier Wochen wieder wie vorher aussieht. Da brauche ich keine großen Erklärungen einflechten.

Das gilt natürlich auch für andere Bereiche in deiner Fantasy-Welt. Man muss sich gar nicht für alles etwas Außergewöhnliches ausdenken. Das schont die Gehirnkapazität des Lesers, wenn die Fantasy-Welt in ihren Grundzügen auf unserer Welt aufbaut. Er kann sich so viel genüsslicher auf die Story einlassen als wenn er in jedem zweiten Satz über fremde Bräuche stolpert.

6. Stelle Regeln auf und bleibe glaubwürdig

Auch wenn in einer Fantasy-Welt andere Regeln gelten als in unserer gewöhnlichen – in sich gesehen muss trotzdem alles stimmig sein. Es macht keinen Sinn, wenn der Zauberer am Anfang des Buches beim Zaubern jedes Mal für zwei Stunden in Ohnmacht fällt, aber am Ende – weil sonst der Bösewicht gewinnt – er nur eine Minute außer Gefecht gesetzt ist oder gar nicht.

So etwas würde mich als Leser ordentlich ärgern und ehrlich, ich würde nie wieder ein Buch von dieser Autorin lesen. Denn als Leser vertraue ich darauf, dass es zwar andere Regeln gibt als in unserer Realität, aber diese anderen Regeln müssen auch konsequent eingehalten werden. Sonst ist mein Vertrauen dahin und ich fühle mich veräppelt.

Es drängt sich manchmal der Verdacht auf, dass einige Autoren denken, es sei leichter, eine Fantasy-Welt zu erschaffen als für einen Roman in unserer wirklichen Welt zu recherchieren. Das ist aber ein Irrglaube. In einer Fantasy-Welt ist eben auch nicht alles möglich und man muss sich genauso stimmige Regeln und Konzepte ausdenken. Was unter Umständen auch frustrierend sein kann, wenn man feststellt, dass man ein Volk mühsam entworfen hat, aber es irgendwie unlogisch ist, dass sie mitten in der Wüste leben, wo es keine Nahrung gibt. Nicht lachen, ist alles schon passiert.

Unlogischer Weltenbau

Solcher unlogischer Weltenbau vergrault deine Leser schnell. Andere Beispiele:

  • Benachbarte Länder, die auf einem völlig unterschiedlichen technischen Niveau leben
  • Ein Land, das völlig unentdeckt geblieben ist – obwohl es gut zu erreichen ist
  • Ein Volk, das mit Schwertern kämpft – obwohl sie Nomaden in der Steppe sind. Logischer wäre Pfeil und Bogen. Was sollen sie mit den schweren Schwertern anfangen?

Auch aus diesen Gründen ist es sinnvoll, sich den Plot schon vorher überlegt zu haben. Dann weißt du, worauf es ankommt und was du an Regeln brauchst. Zum Beispiel ist es nicht sinnvoll, Magiern unendliche Macht zu geben. Wenn sie alles mit ihrer Magie regeln können, haben sie keine Probleme. Aber ohne Konflikte, die unsere Figuren lösen müssen, brauchen wir erst gar nicht anfangen zu schreiben.

Natürlich ist klar, dass bei einem mehrbändigen Fantasy-Epos nie von vorneherein an alles gedacht werden kann. Das haben wir ja beim Plotten schon besprochen. Aber je konkreter du weißt, welche Völker, Landschaften, Tiere, Gebräuche du brauchen wirst, desto einfacher wird das Welten-Bauen.

7. Behalte den Fokus

Dieser Tipp gilt sowohl beim Schreiben als auch beim Weltenbau. Wenn man so unendliche Möglichkeiten hat, eine Fantasy-Welt zu erschaffen, ist die Gefahr groß, sich in Einzelheiten zu verzetteln. Hier noch eine Erdbebenregion, die Spannungspotential bietet, dort noch ein undurchdringlicher Wald, nicht zu vergessen die feindlichen Baumbewohner, die übrigens noch hunderte verschiedene Foltermethoden kennen – die Gerüchte und Geschichten sind zahlreich dazu.

Aber eigentlich, hm, eigentlich ging es doch um die Liebesgeschichte zwischen Person A und B, die nur durch dieses Land durchlaufen müssen, um sich zu treffen. Eigentlich wolltest du den Fokus doch auf die zwischenmenschlichen Konflikte legen …

Du siehst, es ist leicht, den Faden zu verlieren. Am liebsten würde man zu jeder Ecke in der Welt eine Geschichte schreiben. Es gibt so viele interessante Figuren, die da rumlaufen.

Der Weltenbau kann Stunden deiner Zeit verschlingen, wenn du dich in Einzelheiten verlierst. Dumm, wenn dann auch noch die eigentliche Story auf der Strecke bleibt.

Da hilft nur, sich am Riemen zu reißen, auf den Plotplan zu gucken und sich auch daran zu halten.

Schicke einen Außenstehenden los

Dies ist eigentlich kein Tipp für den Weltenbau, aber dafür zum einfacheren Schreiben.

Es ist gerade bei Fantasy manchmal schwierig, dem Leser die Welt nahezubringen, ohne ins Infodump zu verfallen. Ein einfacher Trick hilft dabei, und zwar, indem du einen Außenstehenden in die Geschichte einbringst. Das kann der Held selbst sein oder auch ein Begleiter, dem man immer wieder geduldig erklären muss, wie diese Welt funktioniert. Auf diese Weise erfährt auch der Leser alles über die Gegebenheiten, und zwar ohne dass einem Infodump in den ersten Kapiteln das Lesen vergällt. Diese kleinen Details, immer wieder eingestreut, erfreuen die meisten Leser, weil sie sie selbst entdecken dürfen. Die Welt offenbart sich häppchenweise, gerade so viel, wie man im Moment wissen muss.

Harry Potter ist übrigens auch so ein Außenstehender. Er ist bei den Muggeln aufgewachsen und hat überhaupt keine Ahnung, wie das so in Hogwarts läuft. Wir als Leser begleiten ihn und erfahren genau wie er alles Stück für Stück. Genial.

Natürlich funktioniert diese Vorgehensweise nicht mit allen Geschichten, aber da, wo es möglich ist, ist es eine Erleichterung.

Fazit

Zusammenfassung
  • Plotten und Weltenbau gehen Hand-in-Hand.
  • Man braucht nicht erst eine ganze Welt zu erschaffen. Es ist ausreichend, anhand des Plots zu überlegen, bei welchen Aspekten der Fantasy-Welt man in die Tiefe gehen sollte. Bei Mehrteilern lohnt es sich, sich Spielraum für neue Entwicklungen einzuplanen.
  • Die Fantasy-Welt muss logische und nachvollziehbare Regeln aufweisen.
  • Der Leser sollte das Gefühl haben, dass diese Welt tatsächlich existieren könnte.
  • Überfordere den Leser nicht mit zu viel fremdartigen Details.
  • Vermeide Infodump.
  • Verliere dich nicht in Prokrastination. Behalte deine Story im Blick.

Wenn du diese Punkte beachtest, macht der Weltenbau richtig Spaß. Versprochen.

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