Ist plotten doof? Muss ich wirklich vor dem Schreiben meines Romans plotten?

Mosaik - ist plotten doof?

Früher fand ich Plotten richtig schwer. Plotten war für mich so wie dieser Zauberwürfel oder Magic Cube, wie er auch heißt. Hat man mühsam eine Seite einfarbig geschafft, gerät bei dem Versuch, die zweite Seite zu ordnen, bei der ersten alles wieder durcheinander.

Auf das Plotten übertragen: Ist der Plot endlich so, wie man ihn haben will, stimmen die Charaktere nicht. Ändert man die Charaktere, zieht das einen Rattenschwanz an Änderungen am Plot nach sich, und das wiederum bewirkt… und so weiter. Dass alles sich gut fügt und jede Seite schön geordnet einfarbig wird, war für mich kaum zu schaffen und hat mich immer schier wahnsinnig gemacht.

Natürlich kann man Glück haben und durch Zufall auf die richtige Lösung kommen. Doch mit einer Strategie spart man Zeit und Nerven und fährt mit einiger Sicherheit ein gutes Ergebnis ein.

Bei vielen Schreibanfängern ist das Plotten verpönt. Warum nur?

Ich glaube mittlerweile, dass so viele Schreibanfänger das Plotten für unnötig halten, liegt eher daran, dass sie sich mit der Technik noch nicht richtig vertraut gemacht haben. Denn auch das Plotten muss man lernen, und es funktioniert auch nicht von heute auf morgen perfekt. Plotten ist ein komplexer Vorgang und hat mit „ich denke mir mal eben eine Geschichte aus” wenig zu tun.

Wenn man plotten möchte, man muss seine Figuren sorgfältig entwickeln, damit die Handlung logisch nachvollziehbar wird. Man muss Handlungsstränge, die ausgelegt werden, am Ende wieder zusammenführen. Das ist harte Arbeit. Und vor harter Arbeit schrecken wir Menschen naturgemäß zurück. Es erscheint vielen Schreibanfängern einfacher, sich einfach hinzusetzen und draufloszuschreiben. Noch dazu kommt die romantische Idee, Schreiben sei Kunst und ein Buch entstünde quasi im Rausch der Inspiration und Kreativität 🙂 …

Kann man plotten lernen?

Ja, das kann man, und das solltest du auch, wenn du mit dem entdeckenden Schreiben nicht wirklich weiterkommst.

Ich selbst war dem Plotten nicht wirklich abgeneigt, aber ich wusste einfach nicht, wie ich vorgehen sollte. Als es nicht auf Anhieb klappte, redete ich mir ein, dass ich vielleicht doch ein Bauchschreiber bin? Aber auch das Bauchschreiben funktionierte auf Dauer nicht befriedigend.

Wenn es dir genauso geht, dann lies gerne mal den Artikel 8 verschiedene Methoden, einen Plot zu erstellen. Vielleicht ist eine Methode für dich dabei, mit der du anfangen kannst. Ich selbst habe Blogs und Foren durchforstet und tausendmal gelesen, wie es andere machen. Aber letztlich lernt man nur durch selbst ausprobieren.

Jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Strategie für sie oder ihn am besten funktioniert. Und das ist natürlich Arbeit und kostet Zeit, denn jede Geschichte, jedes Buch dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis es fertig ist. Und an jedem Buch kann man das Plotten ja nur einmal üben!

Wenn es mit dem Plotten nicht klappen will, dann hast du dir vielleicht zu wenig Gedanken über deine Geschichte gemacht. Wende Brainstorming-Techniken an und finde neue Ideen, die du einbauen kannst. Plotten ist wie Puzzlen, alle Teile müssen an den richtigen Platz, aber du musst auch alle Teile haben.

Der ungeheure Vorteil von detailliertem Plotten

Steffi beim PlottenZu Beginn meiner Schreibkarriere legte ich nur wichtige Eckpunkte fest, wie Anfang, Mitte und vielleicht noch den Schluss. Manchmal wusste ich den Schluss nicht, das erwies sich fast immer als fatal und führte dazu, dass die Geschichte in die Ecke geworfen wurde.

Dann arbeitete ich eine Zeitlang mit dem 7-Punkte-System von Dan Wells. Das war schon sehr hilfreich, denn anhand der 7 Punkte standen schon die allerwichtigsten Teile der Geschichte, sodass ich sie zu Ende bringen konnte. Nur: Manchmal wusste ich nicht, wie ich von einem Punkt zum anderen kommen konnte oder ich wusste nicht, was zwischen den einzelnen Punkten passieren könnte. Stichwort: Die leidige Mitte. Dies trieb mich in den Wahnsinn, besonders beim Nano, wenn man unter Zeitdruck steht.
Und heute bin ich beim Szenenplan (man könnte auch Stufendiagramm sagen) angekommen. Der lässt mich viel, viel entspannter schreiben, denn ich weiß, welche Szene als nächstes ansteht. Wie ich die Szene ausschmücke, das entscheide ich beim Schreiben.

Und diesen ungeheuren Vorteil, nicht mehr in Stress zu kommen, will ich nie wieder missen. Nie wieder schreibe ich einen Nano ohne einen Szenenplan. Bei früheren Nanos war ich permanent im Stress, weil ich den ganzen Tag krampfhaft überlegt hatte, was ich denn am Abend schreiben könnte. Ich dachte, „das wird eh wieder Schrott, diese Szene wirst du nur schreiben, um die Wörter zu schreiben und kannst sie hinterher wieder in den Papierkorb werfen” und ähnliches. Mein ganzer Kopf war ständig mit chaotischen, panischen Plotgedanken erfüllt.

Nein, nein, so was tue ich mir nicht mehr an!

Ein weiterer Vorteil – das Überarbeiten wird leichter

Ich mag überarbeiten nicht. Da hat man sich schon monatelang mit der gleichen Geschichte beschäftigt und brennt eigentlich darauf, etwas Neues anzufangen.

Ganz drumherum kommen wird man auch mit detailliertem Plotten nicht. Das ist richtig. An alles kann man auch nicht denken.

Aber du wirst deutlich weniger Arbeit haben mit einer Geschichte, die schon logisch aufgebaut und gut durchdacht ist. Du musst keine offenen Handlungsstränge herauswursteln oder kompliziert verbinden, keine Personen killen, die unnötig sind, weil sie erst gar nicht entstanden sind und es gibt keine Logiklöcher, die nur mit viel Hirnschmalz und Umschreibarbeit gestopft werden können und im allerschlimmsten Fall deine Geschichte ad absurdum führen. Personen wechseln ihr Geschlecht nicht, Anreden bleiben gleich (per du oder per Sie, lacht nicht, ist mir schon passiert, dass ich dachte, diese zwei Personen sollten per Sie sein, und bei der Überarbeitung stellte sich heraus, dass das richtig albern wirkte. Pah, war das eine Arbeit, das alles umzuschreiben!), Schauplätze ändern sich nicht und so weiter und so fort.

Für Leute, die das Überarbeiten nicht so gerne mögen, empfehle ich ausführliches Plotten!

Noch ein Vorteil

Du kannst Hinweise einstreuen. Da du weißt, was später passieren wird, kannst du gezielt Spannung entwickeln. Du kannst falsche Fährten legen und deine Leser gezielt verwirren. Du weißt, welche Figuren ein doppeltes Spiel treiben und wer welches Motiv hat.

Entstehen so nicht total konstruierte Romane? Im Gegenteil, sie lesen sich angenehmer, weil sie gut durchdacht sind. Sie hüpfen nicht wahllos von Ereignis zu Ereignis, sondern die Handlung ist logisch miteinander verknüpft. Sie sind spannender und tiefschichtiger.

Sicherlich, auch ein entdeckender Schreiber kriegt das hin. Aber ich wette, nur nach mehrmaligem Überarbeiten! Da ist die Frage, wie viel vom ursprünglichen Text überhaupt noch übrig bleibt? Und wenn es dir so geht wie mir, dass du dich nur schwer von deinem Text trennen kannst, wirst du vielleicht zögern, die vielen Szenen einfach zu streichen, die du mühsam geschrieben hast. Ganz zu schweigen von dem Aufwand, alles wieder umzuschreiben.

Leidet nicht die Kreativität?

Das ist das häufigste Argument, das man hört, wenn es um die Nachteile des Plottens geht. Aber meiner Erfahrung nach trifft das überhaupt nicht zu.

Im Prinzip ändert sich nämlich nur deine Arbeitsweise.

Leute, die nicht plotten, müssen zwangsläufig während der Schreibphase kreativ sein. Mich hat das eher immer behindert und gestresst, aber das habe ich ja oben schon ausführlich erläutert. Wer plottet, trennt die Kreativitätsphase in gewisser Weise vom Schreibprozess. Aber die beiden Prozesse ganz sauber zu trennen wird trotzdem nicht funktionieren, dazu komme ich noch (siehe Beispiel aus dem 2. Teil meines Jugendromans weiter unten).

Wenn du plottest, lässt du in der Plotphase deiner Kreativität freien Lauf. Das macht richtig Spaß, ist aber auch viel geballte, anstrengende Denkarbeit! Seit ich plotte, habe ich viel bessere Einfälle. Vielleicht liegt es daran, dass in der Plotphase alles auf Kreativität geschaltet ist? Das Gehirn läuft auf Hochtouren und ist nicht durchs Tippen und Formulieren behindert.
Ein Vorteil ist, dass du nach Herzenlust ausprobieren kannst und nicht auf die erste Idee beschränkt bist, die dir kommt. Oft genug rolle ich die ganze Geschichte wieder von vorne auf, weil ich die Charaktere ändere oder mir eine gigantische unerwartete Wendung in den Sinn kommt. Das kann ich in der Plotphase ohne Hemmungen, denn ich muss nicht tausende von schon geschriebenen Wörtern wieder in die Tonne werfen!

Und in der Schreibphase wirst du es schätzen, schnell vorwärtszukommen und die Geschichte rasch zu beenden. Du hängst nicht, weil du dir die nächste Handlung überlegen muss, sondern kannst dich ganz auf Sprache und Dialoge konzentrieren. Manchmal kann ich gar nicht so schnell tippen, wie die Wörter aus mir herausfließen. Das ist sehr angenehm, wenn du so im Flow bist.

Auch beim Schreiben ist noch genug Freiraum für Kreativität

Ist der Schreibprozess nicht langweilig, weil es nichts mehr zu entdecken gibt? Auch dieses Argument hört man öfter, doch das ist einfach nicht wahr.

Es ist erstaunlich, was bei mir noch alles beim Schreibprozess an Ideen und kleinen Ausschmückungen hinzukommt, obwohl ich der Meinung war, die Szene gut durchdacht zu haben. Lass es mich erläutern:

Ein Beispiel aus dem zweiten Teil meines Jugendromans: Die Drachenland-Saga – Der Steindrache

In meiner Szenenliste steht: Felix, Alexa und Farani betreten die Zauberkammer und finden den Diamanten.

So, da steht jetzt aber nicht, wie die Zauberkammer aussieht. So eine Zauberkammer sollte natürlich eher ungewöhnlich aussehen. Während des Schreibens kam mir die Idee, sie mit Spiegelfliesen auszustatten und Diamanten an der Decke anzubringen, die Lichtstrahlen aussenden und durch die vielen Spiegel, die sonst noch herumstehen, die Protagonisten verwirren.

Du siehst also, selbst wenn du bis herunter zu einer Szenenliste plottest, bleibt dir immer noch ein wenig Raum für Kreativität. Und wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, WIE sie den Diamanten finden! Aber das verrate ich an dieser Stelle nicht.

Zugegeben, es kommt darauf an, wie detailliert du plottest. Vielleicht hätte ich bei meinem Eintrag in die Szenenliste schon ein Bild vor Augen haben können, wie die Zauberkammer aussieht und ich hätte mir überlegen müssen, wie genau sie denn nun den Diamanten finden bzw. wo er versteckt ist. Habe ich aber nicht und von daher bleibt mir noch genügend Platz für spontane Ideen.

Ein Plot ist nicht in Stein gemeißelt

Manchmal kommen mir während des Schreibens noch weitere Ideen, die durchaus Auswirkungen auf den weiteren Szenenverlauf haben. Macht aber gar nichts! Dann nehme ich mir eben die Freiheit, meinen Plot noch einmal anzupassen. Aber das kommt selten vor, denn meistens ist der Plot ganz gut durchdacht und große Änderungen machen wenig Sinn.

Zu guter Letzt …

Seit ich plotte, komme ich mit meinen Romanen schneller und entspannter voran. Ich beende meine Projekte, werfe nichts mehr in die Ecke, und das Ganze funktioniert auch noch ohne große Anstrengung.

Allerdings will ich nicht abstreiten, dass das Plotten vielleicht nicht allen liegt. Geübte Plotlos-Schreiber haben meist ein gutes Gespür, was Rahmen und Aufbau einer Geschichte betrifft und mögen auch ohne Plot zum Ziel kommen.

Dennoch appelliere ich an alle Schreibanfänger, die vielleicht schon festgestellt haben, dass sie mit dem Drauflos-Schreiben nicht weit kommen:
Probiert es wenigstens aus. Gebt dem Plotten eine Chance und macht euch die Mühe, es zu lernen. Vielleicht findet ihr eure Methode und könnt genauso von den Vorteilen profitieren wie ich.

Bist du entdeckender Schreiber? Oder schwörst du wie ich auf einen mehr oder weniger detaillierten Plot? Schreibe einen Kommentar!

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