Schreibstil und Wortschatz mit wenig Aufwand verbessern

Schreibstil und Wortschatz mit wenig Aufwand verbessern

Das unendliche Thema Schreibstil …

Seinen Schreibstil verbessern

Vielleicht hat einer deiner Testleser an deinem Schreibstil herumgemeckert? Oder dir ist von selbst aufgefallen, dass du im eigenen Trott hängenbleibst und dich nicht verbesserst?
Hier habe ich einige Tipps für dich, wie du deinen Schreibstil mit nur wenig Aufwand verbessern kannst.
Natürlich übt ein Schriftsteller diese Fähigkeit am besten beim Schreiben selbst – so wie man Skifahren am besten auf der Piste übt. Aber es gibt auch Trockenübungen, und denen wollen wir uns heute widmen.

 

Nutze Wartezeiten, um den Schreibstil zu verbessern

Wartezeiten haben wir genug. Beim Arzt, an der Kasse, im Verkehr, wo auch immer.
Warum nicht diese Zeit nutzen, um Beschreibungen zu üben?
Hört sich auf den ersten Blick banal an, aber probiere es mal. Nicht schummeln. Formuliere die Sätze in Gedanken (wenn du willst auch laut) konkret aus, genauso, als würdest du sie am Computer tippen.
Aha. Gar nicht mal so einfach! Beschreibe den dicken Mann vor dir an der Kasse, wie er schnauft, wie rot seine Gesichtshaut unter den ungepflegten Bartstoppeln ist und wie hektisch seine Bewegungen sind. Nimm seinen Geruch nach Schweiß und Bier wahr. Wenn du magst, schlüpfe in seine Haut und sieh die Umgebung aus seinen Augen, überlege dir, was er denkt.
Benutze für die Beschreibung all deine Sinne, also sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen.
Überlege dir, was diesen Mann so besonders macht. Was hebt ihn aus der Masse der Menschen hervor, die an der Kasse anstehen? Wenn er einer deiner Protagonisten sein sollte, welche besonderen Eigenschaften zeichnen ihn aus, charakterlich oder vom Aussehen her?
Achte bei deinen Beschreibungen darauf, möglichst viel zu zeigen (show, don’t tell)

 

Nicht aufgeben

Diese Übung mag dir so langweilig erscheinen, dass du es erst gar nicht probierst. Oder du machst es nur halbherzig, sodass du dich fragst, was das Ganze bringen soll (”Ja, da vorne steht halt ein Baum, der hat grüne Blätter, drunter sitzt ein Mann … ja und?”)
Nein, du musst dir schon ein wenig Mühe geben. Als ich zum ersten Mal versucht habe, eine kleine Szene gedanklich auszuformulieren, wie ein alter, dicker, gebrechlicher Mann von zwei dürren Frauen ins Taxi bugsiert wurde (die Situation konnte ich von meinem Schreibtisch aus beobachten), fehlten mir rasch die passenden Worte. Und während ich noch herumgrübelte, fuhr das Taxi samt meinen Anschauungsobjekten schon fort.
Trotzdem habe ich die Szene zu Ende formuliert.
Manchmal ist es sehr schwer, mitreißende, treffende Worte zu finden. Aber genau aus dem Grund ist die Übung genial. Man verbessert sich nämlich rasch. Deine Beobachtungsgabe wird genauer, du entwickelst einen Blick für Details. Außerdem verbessert sich dein Wortschatz hierdurch von ganz allein, weil du gezielt nach treffenden Worten suchst – die du sonst vielleicht nie verwendet hättest. Und für uns Schriftsteller ist das Beschreiben von Gegenständen, Personen oder Szenen so unheimlich wichtig, dass wir diese Fähigkeit so oft wie möglich trainieren sollten!

 

Trainiere Metaphern

Wenn du keine Lust auf ausgiebiges Formulieren hast, übe doch mal Vergleiche, besser noch Metaphern. Was ist der Unterschied?
Leichter sind Vergleiche: „Die Frau hat eine Figur wie eine Salatgurke.” „Der Hund bewegt sich so mühsam wie ein vollgefressenes Krokodil.”
Metaphern kommen ohne das „wie” aus. Das ist schon etwas schwerer. Vermeide aber bitte ausgelutschte Metaphern (”sich pudelwohl fühlen”) oder Metaphern, die irgendwie schräg klingen (”Er bat um Verzeihung, aber ihr Herz war stahlhart.”) Auch Metaphern, die nur eine bestimmte Gruppe von Menschen verstehen kann, sind unangebracht.
Tipp: Fällt dir keine gute Metapher ein, verwende auch keine.

 

Lies gute Bücher

Es gibt Autorinnen und Autoren, die durch einen blumigen, wortgewaltigen Schreibstil auffallen. Letztens habe ich mir einen Roman aus der Bibliothek ausgeliehen, wo die Autorin ausdrücklich für ihre „wunderschöne Sprache” gelobt wurde. Und tatsächlich fand ich ihren Stil unglaublich ausdrucksvoll.
Wie sollst du wissen, wie „guter Stil” aussieht, wenn du ihn nicht liest? Ich ertappte mich dabei, wie ich manche Formulierungen in meinen eigenen Sprachschatz aufgenommen habe.
Und dabei habe ich überhaupt kein schlechtes Gewissen. Denn ich werde nie auf ihre Art schreiben (können) und ich will es auch nicht. Das ist ihr Stil. Meiner ist anders, aber ein paar Anregungen darf ich ruhig übernehmen und zu meiner eigenen Mischung hinzufügen. Jeder kocht schließlich mit den gleichen Zutaten sein Süppchen, und doch schmeckt jedes anders. Die Dosierung und Zusammensetzung macht es möglich.
Also, geh ruhig einmal in die Buchhandlung oder Bibliothek und such gezielt nach Autoren, die einen außergewöhnlich schönen Schreibstil haben.
Achte beim Lesen auf:
  • Metaphern / Vergleiche
  • Beschreibungen
  • Außergewöhnliche Worte
  • Schön formulierte Sätze
Ha. A. Mehler, der Autor von „Wie Schreibe Ich Einen Bestseller„, empfiehlt sogar, sich ein Heft anzulegen, in dem man solche besonderen Formulierungen aufschreibt. Ich kann es nur bestätigen. Durch das Aufschreiben prägen sich solche wunderbaren Formulierungen besser ein und vermischen sich irgendwie mit deinen eigenen Beschreibungen. Heraus kommt – dein eigener Stil.

 

Hör dir eine Rede an – und formuliere selbst eine

Gute Redner formulieren jeden Satz perfekt. Jedes Wort sitzt am richtigen Platz. Es ist ein Genuss, einem großen Redner zuzuhören.
Ich finde Menschen, die aus dem Stegreif eine Rede halten können, total faszinierend. Für mich ist es sehr schwer, in Sekundenschnelle zu entscheiden, welche Worte jetzt treffend sind, überhaupt Worte zu finden.
Aber auch das kann man trainieren – und oh Wunder, es wird auch deinen Schreibstil verbessern. Du lernst nämlich, komplizierte Satzgebilde zu vermeiden, passende Sprache je nach Publikum zu verwenden und dich darauf zu konzentrieren, die Zuhörer zu fesseln. Nichts anderes, als was du auch am Computer machst, nur eben schneller.
Trainiere gerne zuhause vor dem Spiegel – aber nutze auch die Gelegenheit, beim 80. Geburtstag deiner Patentante eine kleine Rede zu halten.

Beim Fernsehen …

Nun, ich gucke sehr selten Fernsehen. Aber es gibt einige wenige gute Serien und Filme. Wenn du die anschaust, dann achte mal auf die Dialoge. Beim Fernsehen/Kino sind Dialoge knallhart formuliert. Kein unnötiges Wort, jeder Satz hat eine Bedeutung, die die Handlung weitertreibt. Und trotzdem wirken sie (bei guten Filmen) natürlich und nicht an den Haaren herbeigezogen.

 

Den Schreibstil muss man trainieren und geschmeidig halten

Halte nie ein, dich zu verbessern. Ein guter Schreibstil kommt nicht vom Himmel gefallen, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit. Probiere einige oder besser alle der hier vorgestellten Übungen aus und du wirst feststellen, dass es dir leichter fällt, passende Worte zu finden.

 

Bestimmt schreibst du deine nächste Rohfassung viel schneller! Und zusätzlich wirst du dir einiges an Überarbeitung ersparen können, denn deine Beschreibungen werden detailreicher und treffender formuliert sein.

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