Rohfassungen – mach diesen Fehler nicht

Manuskript Bücherstapel
Heute möchte ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wie man so schön sagt.
Bei mir läuft das Schreiben naturgemäß nicht gerade schnell. Leider bin ich keine hauptberufliche Autorin. Zeit zum Schreiben (oder Überarbeiten) schinde ich mir am Abend heraus.
Aber dennoch, da ist noch etwas anderes, warum hier zur Zeit nichts vorwärtsgeht.
Blöderweise habe ich einen grundsätzlichen Fehler gemacht. Und auch dumm ist, dass ich ihn erst jetzt erkannt habe. Eigentlich unglaublich, denn er liegt ziemlich auf der Hand.
Natürlich gibt man Fehler nicht so gerne zu. Ich glaube, jeder würde gerne schreiben und schon mit der ersten Rohfassung einen Bestseller landen und einfach perfekt sein. Aber so läuft es halt leider nicht im Leben. In meinem erst recht nicht.
Und falls du am Anfang deiner „Schreibkarriere” stehst, solltest du mal weiterlesen, damit es dir nicht genauso geht.

 

Meine vielen Rohfassungen …

Gerade musste ich in meinen Datei-Ordner gucken, weil ich es selbst nicht mehr wusste. Ich nummeriere alle Roman-Projekte durch. Und was soll ich sagen, ich bin bei Roman Nr. 15 angelangt. Und erst einer davon ist veröffentlicht.
Das ist ehrlich gesagt bescheuert. Ich habe sage und schreibe bis heute 14 Rohfassungen (plus einer Veröffentlichung) in meiner Schublade liegen.
Zugegeben, nicht alle sind beendet. Sechs davon sind angefangen und in unterschiedlichen Stadien liegengeblieben. Es juckt mich in den Fingern, mal die Wörter zu zählen, die diese sechs insgesamt schon aufweisen. Einer davon, meine wie ich immer noch finde, geniale High-Fantasy-Geschichte, hat bereits über 100000. (Genial finde ich die Idee. Nur um das klarzustellen … die Ausführung ist leider ziemlich chaotisch)
Beendet sind 8 Manuskripte. Na, immerhin mehr als unvollendete. Der veröffentlichte zählt dazu.
Ich habe also eine Rohfassung nach der anderen geschrieben. In die Schublade gelegt und die nächste angefangen. Wie doof ist das eigentlich?

 

Mach diesen Fehler nicht

Man rät Schreibanfängern immer, schreib deine Geschichte zu Ende. Beweise dir selbst, dass du es kannst, du wirst viel daraus lernen … und so weiter. Das habe ich ja brav getan (na, fast immer). Und das solltest du natürlich auch tun.
Aber:

 

Eine Rohfassung gehört auch überarbeitet

Diese Erkenntnis ist sehr wichtig. Eine Geschichte ist nicht fertig, wenn das Wörtchen „Ende” hintendran steht.
Leider habe ich mich nach dem Schreiben der Rohfassung sofort von der nächsten Geschichte locken lassen.
Jetzt, wo ich es endlich ernst mit dem Schreiben meine, rächt sich das. Jetzt habe ich einen Haufen unverbesserter Manuskripte in der Schublade liegen. Das ist ärgerlich genug.
Aber das Wichtigste, was ich verpasst habe, indem ich immer weitergeschrieben habe: Ich habe viele Chancen vergeben, mich zu verbessern. Ich schrieb in immer dem gleichen Trott weiter, ein Buch nach dem anderen. Jetzt, wo ich anfange, die alten Rohfassungen zu überarbeiten, merke ich Stück für Stück, was ich früher falsch gemacht habe.
Und das in allen 14 Rohfassungen *haarerauf*! Hätte ich den ersten Roman gleich überarbeitet, hätte ich sicher schon viel dazugelernt. Er wäre sicher nicht perfekt geworden, aber ich als Autorin hätte mich weiterentwickelt.
Vielleicht hätte ich beim zweiten dann einige Fehler vermeiden können. Und hätte ich alle 14 gleich überarbeitet (mit „gleich” meine ich natürlich nach einer angemessenen Zeit), du meine Güte, was hätte ich lernen können.

 

Alle Rohfassungen sind schlecht

Das hört sich nun so an, als seien alle meine Rohfassungen grottenschlecht. Ja, das stimmt, denn Rohfassungen sind (fast) immer grottenschlecht. Aber sie sind unterschiedlich schlecht, denn im Laufe der Jahre habe ich natürlich auch während des Schreibens einiges gelernt und ich habe mich auch sehr bemüht, tausende Schreibratgeber zu lesen. Aber lesen und anwenden sind zwei verschiedene Paar Stiefel.
Auch meine Plot-Technik hat sich gottseidank verbessert, sodass zwischen dem ersten Roman und dem fünfzehnten doch ein merklicher Unterschied ist.
Am meisten gelernt habe ich durch das Bloggen in der Schreibscheune. Wenn man sich zwingen muss, sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen und diese so zusammenzufassen, dass man selbst und andere es auch verstehen, lernt man ungemein schnell. Also das Wort „zwingen” darfst du hier nicht falsch verstehen. Die Bloggerei macht unheimlich Spaß und manchmal schreib ich lieber Artikel als … mal wieder … zu überarbeiten. Anwenden konnte ich all diese Dinge in meinen neueren Rohfassungen – und die sind auch deutlich besser.
Trotzdem habe ich viele Rohfassungen in der Schublade und muss sie auf ein anständiges Niveau bringen. Das dauert natürlich.
Sicherlich werde ich sie mir nicht alle vornehmen. Bei einigen lohnt es sich nicht. Aber die, die fertig sind, kommen dran. Das wäre ja schade um die Mühe, die ich reingesteckt habe.
Mir sträuben sich die Haare, wenn ich an die Arbeit denke, die vor mir liegt! Und ich würde so gerne … eine neue Geschichte ….

 

Also, mein Tipp für dich:

Nimm dir mal deine alten Rohfassungen vor und bring sie auf den besten Stand, den du mit dem heutigen Wissen schaffst. Hol dir auch Testleser mit ins Boot und gib dir richtig Mühe! Ich wette, du wirst staunen, was du 1. lernst und 2. aus deiner Rohfassung noch herausholen kannst.

 

Würde mich echt interessieren: Wie viele Rohfassungen hast DU denn in der Schublade liegen?

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