Schreibblockade überwinden – so geht’s

Schreibblockade überwinden - Flugzeug

Schreibblockade überwinden – so geht’s

Nachdem wir uns letzte Woche mit den Gründen für eine Schreibblockade beschäftigt hatten, geht es heute darum, die lästige Schreibblockade überwinden zu können – und zwar möglichst rasch, ehe sie sich manifestiert.
Wenn man den Grund weiß, warum es nicht so läuft wie es sollte, ist es viel einfacher, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Von daher – hast du den ersten Artikel nicht gelesen, solltest du das jetzt nachholen. Und sei ehrlich zu dir.

Aber nun konkrete Vorschläge, wie du deine Schreiblockade überwinden kannst.

1. Analysiere, woran es hakt

Dies ist der allerwichtigste Punkt! Sozusagen der Oberpunkt.
Wer weiß, warum er keine Lust zu schreiben hat, kann aktiv dagegen vorgehen. Und hör auf, dir dabei etwas vorzumachen. Das bringt nämlich nichts.
Womöglich möchtest du zwar ein Buch geschrieben haben, aber keines schreiben. Sprich, du hast keine Lust, dich mit der ganzen Schreibtechnik auseinanderzusetzen. Dann ist vielleicht dieses Hobby doch nicht so gut für dich geeignet, denn ein Buch zu schreiben, ist harte Arbeit und setzt einen langen Atem voraus.
Bist du aber entschlossen durchzuhalten, so solltest du dir gewisse Fertigkeiten aneignen:

Wenn du noch unerfahren beim Schreiben bist, beschäftige dich mit der Technik. Charakterentwicklung, Plot, Spannung und so weiter. Gliedere dein Projekt vielleicht in kleinere Teile auf, sodass du einen Überblick gewinnst.

2. Den Schreibtisch aufräumen

Das hört sich ein wenig nach den verdächtigen Ersatzhandlungen an, die man so macht, um sich vor dem Schreiben zu drücken (surfen im Internet – angeblich zur Recherche …, telefonieren, putzen usw.).
Aber das hier ist anders, denn hier hast du ein Ziel: Erstens verführt ein leerer Schreibtisch nicht zum Abschweifen. Und zweitens gewinnst du so einen Überblick über deine Materialien. Hast du Bilder von deinen Charakteren? Fotos von Schauplätzen? Wunderbar, drapiere sie in Sichtweise um dich herum. Das motiviert ungemein. Du kannst auch eine Collage basteln, wenn du so etwas magst. Drucke deine Unterlagen aus und lege einen Ordner an, den du aufgeschlagen auf dem leeren Schreibtisch platzierst.
Sortiere deine Dateien, bring Ordnung in deine Zettelwirtschaft. Alleine die Beschäftigung mit deinem Roman kann deine Begeisterung wieder wecken und deine Schreibblockade überwinden. Und gleichzeitig bringst du Ordnung in dein kreatives Chaos.

3. Schalte Störfaktoren aus

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Kein Mensch kann konzentriert arbeiten, wenn ständig das Telefon klingelt, die Kinder hereingestürmt kommen oder der Mann aus der Küche um Hilfe ruft. Du wirst selbst am besten wissen, wie du diese Störfaktoren ausgeschaltet bekommst. Manche arbeiten genau aus diesem Grund gerne tief in der Nacht.

4. Probiere einen anderen Ort zum Schreiben aus

Um eine lästige Schreibblockade überwinden zu können, hilft vielleicht ein Tapetenwechsel. Warum nicht einmal im Gartenhäuschen schreiben? Oder im Büro deines Partners? Vielleicht gibt es auch eine Bibliothek in deiner Nähe. Möglicherweise verführt dich die fremde Umgebung nicht so sehr zur Prokrastination wie dein üblicher Schreibplatz.
Andere hingegen lieben einen gemütlichen Platz im Café, wo das Stimmengemurmel der anderen Gäste inspirierend wirkt. Probiere für dich aus, wo du konzentriert arbeiten kannst. Und wenn es der Kartoffelkeller ist, dann ist er es halt. Ach ja … und lass dein Handy ausgeschaltet.

5. Bring dich in Stimmung

Schreibst du einen Liebesroman? Da gibt es unzählige Schmachtlieder, die dich in die richtige Laune versetzen können. Oder was Fetziges für Action-Szenen. Marschmusik für Kriegsszenen … ruhige Klassik  für langsame Szenen und so weiter.
Koch dir einen duftenden Tee. Zünde dir Kerzen an. Mach es dir so richtig gemütlich … aber dann gibt es keine Ausreden mehr.

6. Erstelle einen Plot oder plotte nach

Wenn dir der Fortgang deiner Geschichte nicht klar ist, wirst du mit ein bisschen Plotarbeit Wunder bewirken.
Du weißt nicht, wie du vorgehen sollst? Es gibt hunderte Anleitungen, wie man plotten kann. Schau dir mal diesen Artikel an, hier habe ich einige Quellen aufgezählt. Vielleicht ist auch dieser  oder dieser Artikel hilfreich.
Natürlich kostet es Zeit, sich in diese Methoden einzuarbeiten. Aber die ist gut investiert, denn wenn du gut geplant hast, wird dir schlussendlich das Schreiben nur so aus der Feder fließen. Und beim nächsten Roman weißt du gleich, wie du vorgehen kannst.

7. Backe kleine Brötchen

Wenn du noch unerfahren beim Schreiben bist, so ist das sechsbändige Fantasy-Epos mit zehn POV-Figuren kaum zu bewältigen. Diese leidvolle Erfahrung musste ich selbst machen … besser ist es, mit einbändigen, einfach gestrickten Geschichten anzufangen und Erfahrung zu sammeln. Das heißt nicht, dass diese Geschichten weniger wert sind, weil sie einfach aufgebaut sind! Hast du einen spannenden Plot und gut aufgebaute Charaktere, so steht einem Bestseller nichts im Wege … na gut, das ist unwahrscheinlich beim ersten Roman, aber nichtsdestotrotz nicht unmöglich. Auf jeden Fall sammelst du wertvolle Erfahrung im Romane-Schreiben, die dir bei jedem späteren Buch nützlich sein werden. Und du kannst deine Schreibblockade überwinden – schließlich übt ein zukünftiger Pilot auch nicht sofort im Jumbo-Jet.

8. Erstelle dir einen Zeitplan

Wie viele Stunden/Minuten hast du Zeit am Tag? Wie schnell kannst du tippen LINK? Wie lange brauchst du zum Plotten und Charaktere-Entwickeln? Wie lange darf deine Überarbeitungsphase dauern? Brauchst du eine ausgiebige Recherche? Erstelle dir einen realistischen Zeitplan, der dich bei der Stange hält und dich nicht frustriert, weil es unmöglich ist, ihn einzuhalten. Sehr gute Erfahrungen kannst du hierbei im NaNoWriMo sammeln.

9. Unterdrücke deinen Perfektionismus

Besonders Schreibanfänger glauben, sie müssten sofort ein perfektes und druckreifes Manuskript verfassen.  Mach dich von diesen Erwartungen frei.  Kein normaler Mensch schreibt auf Anhieb einen Bestseller. Deine Rohfassung ist das Grundgerüst, das du hinterher schleifst und auf Perfektion hin bearbeitest. Es geht darum, erst einmal einen Text zu haben, der später durch mehrmaliges Überarbeiten geschliffen wird. Schließlich bekommt auch ein Haus erst einen groben Rohbau aus Beton, und erst hinterher wird tapeziert und am Schluss eingerichtet und Bilder an die Wand gehängt. Genauso ist es mit einem Roman. Und scheue dich nicht, Expertenmeinung einzuholen. Genau wie du dir unzählige Schöner-Wohnen-Zeitschriften zur Inneneinrichtung deines Hauses anschaust, genauso kannst du dich mit Techniken zum Schreiben beschäftigen. Hol dir Testleser mit ins Boot, das sind deine Experten, die dir ihre ehrliche Meinung mitteilen. So kannst du letztendlich deinem Roman den letzten Schliff verpassen und eine Schreibblockade überwinden.

10. Fang erst an, wenn alles bereit ist

Steht dein Plot? Selbst wenn du Bauchschreiber bist (oder glaubst zu sein), hast du wenigstens Anfangs- und Endpunkte festgelegt? Hast du die Recherche gründlich genug erledigt? Viele möchten am liebsten sofort mit dem Schreiben beginnen, wenn sie für eine Idee Feuer gefangen haben. Aber leider geht das meist nach hinten los, indem dich ganz schnell eine Schreibblockade packt, wenn du nicht weißt, wie es weitergehen soll. Siehe Punkt 6.

11. Aller Anfang ist schwer

Möglicherweise hast du schon am Anfang Probleme. Wie soll der Roman beginnen? Die Lösung: Steig doch einfach mit der Szene ein, die als nächstes kommt. Vor allem, wenn du einen Plotplan hast, sollte das kein Problem sein.
Dieser Rat gilt natürlich auch, wenn du plötzlich mitten im Roman Probleme bei einer Szene bekommst. Lass sie aus, schreib mit der nächsten weiter. Möglicherweise löst sich die Blockade ganz rasch auf und plötzlich fließt auch wieder das Schreiben der ausgelassenen Szene.

12. Integriere das Schreiben in deinen Alltag

Regelmäßig schreiben hilft ungemein. Wenn für dich klar ist, dass der Abend dem Schreiben gewidmet ist, wird nicht lang herumdiskutiert. Nach dem Abendessen ziehst du dich automatisch zurück. Oder halt am Nachmittag, oder wann es dir passt. Suche dir eine Zeit, wo es dir möglichst leicht fällt. Setze dir ein realistisches Wortziel, z.B. 500 Wörter. Das ist leicht zu schaffen und sollte auch in Zeiten größter Unlust möglich sein. Und an guten Tagen wird es oft das Doppelte.
Bleib dabei!! Erlaubst du dir einen Tag „Urlaub”, wird aus dem einen Tag leicht zwei, dann drei … und schon bist du wieder in der Schreibblockade gefangen.

13. Was anderes tun

Geht mit dem Schreiben wirklich gar nichts, kannst du vielleicht überarbeiten. Oder plotten. Oder am Hauptcharakter herumfeilen. Ein Buch zu schreiben, bedeutet schließlich nicht nur zu schreiben, es gibt unzählige andere Arbeiten. Egal was, aber beschäftige dich mit deiner Geschichte. Vielleicht kommt die Lust dann wieder.

14. Sprich mit Gleichgesinnten/ hol dir Bestätigung

Such dir einen Schreibbuddy, einen Menschen, mit dem du über deine Geschichte sprechen kannst. Im Gegenzug gibst du ihm oder ihr ebenfalls Tipps zu seiner/ihrer Geschichte. Beteilige dich in Foren oder Schreibgruppen, auch das kann motivieren. Aber Achtung, das darf keine Ausrede für unnötige Prokrastination werden!
Gerade wenn du mit negativer Kritik kämpfst, die du vielleicht kürzlich erhalten hast, kann die Bestätigung durch andere Personen sehr wertvoll sein, um deine Schreibblockade überwinden zu können. Nimm wohlwollende Kritik ernst und merze deine Schwachpunkte aus.

15. Lies ein Buch in deinem Genre

Gerade wenn du zur Zeit mit Unlustgefühlen kämpfst, kann die Lektüre eines guten Buches in deinem Genre die Lust wieder wecken und deine Schreibblockade überwinden. Tauch ein in die Stimmung, in die Atmosphäre der Geschichte und lass dich inspirieren. Trotzdem: Lies das Buch in deiner freien Zeit, nicht in deiner Schreibzeit.

16. Bewege dich

Steckst du in einem Plotloch fest, fließen die Gedanken beim Laufen oder Gehen oft viel besser. Oder hast du mal daran gedacht, dir ein Stehpult zu bauen? Angeblich hat schon Goethe seine Texte im Stehen verfasst, und der war ja nun ein echter Profi.
Steh öfter mal auf, hol dir etwas zu trinken, sprich deine Gedanken/ Probleme laut aus und mach dich dann wieder an die Arbeit. Das wirkt manchmal Wunder!

17. Reiß dich einfach mal zusammen

Niemand hat behauptet, dass es einfach ist, ein Buch zu schreiben. Und wenn du das wirklich willst, musst du dich eben manchmal auch dazu zwingen. Man kann schließlich auf der Arbeit auch nicht einfach dem Chef sagen, also tut mir leid, aber heute habe ich aus dem und dem Grund keine Lust zu arbeiten. Der Chef wird dir eins husten! Also, tritt dir selbst in den Hintern und schreib einfach!

 

So, und das war es nun. Den ersten und den letzten Tipp halte ich für das Wichtigste, wenn man Schreibblockaden überwinden will.

Aber vielleicht hast du auch noch einen Rat? Teile ihn gerne mit uns in den Kommentaren.

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