Roman schreiben: Die 12 häufigsten Anfängerfehler

Roman schreiben die 12 häufigsten Anfängerfehler

Roman schreiben: Die 12 häufigsten Anfängerfehler

Ich beschäftige mich sehr viel mit Testlesen. Bei fremden Texten fallen mir recht schnell Fehler ins Auge, weil ich mich hier in der Schreibscheune schon oft mit dem entsprechenden Thema auseinandergesetzt habe. Bei meinen eigenen Texten bin ich leider mit Blindheit geschlagen, sodass ich ebenfalls auf Testleser angewiesen bin. Aber das ist ein anderes Thema.
Worauf ich hinauswollte: Es fällt auf, dass immer die gleichen Fehler gemacht werden. Ich schließe mich gar nicht aus. Meine Texte vor etlichen Jahren waren grauenhaft gespickt mit den Anfängerfehlern, die ich gleich auflisten werde. Jetzt, denke ich, hab ich das zum Glück hinter mir 🙂 . Jedenfalls meistens. Ab und zu findet sich noch hier und da so ein böser Anfängerfehler.

Was sind das für Anfängerfehler?

1. Statt show wird tell benutzt

Statt beim Leser ein fesselndes Kopfkino zu erzeugen, wird ihm erzählt, was er zu denken und zu fühlen hat. Ein durchaus vermeidbarer Anfängerfehler, wenn man erst einmal verstanden hat, um was es geht. Und die Texte werden gleich viel lebendiger!
Beispiel für tell: Die Abendveranstaltung war furchtbar langweilig.
Besser (show): Rita tippelte mit ihren Fingernägeln auf ihrem Oberschenkel herum. Ihre Augen suchten die Wanduhr, deren Zeiger sich nach ihrem letzten prüfenden Blick kaum gedreht hatten. Sie seufzte und zwang sich, dem Redner wieder zuzuhören.
Was auffällt, ist, dass show länger ist als tell. Deshalb gilt es abzuwägen, wann show angebracht ist und wann tell. Show benutzt du für wichtige Szenen, um dem Leser ein möglichst genaues Bild der Szenerie, der Atmosphäre und der Gefühle zu ermöglichen. Tell nimmt man dann, wenn nicht so wichtige Dinge erwähnt werden müssen, beispielsweise, um eine längere Reise zu erwähnen, die notwendigerweise stattfinden muss, aber auf der nichts Handlungsrelevantes geschieht.

Das ist natürlich nur eine Kurzfassung, denn show, don’t tell ist ein umfassendes Thema. Dazu habe ich einige ausführliche Artikel geschrieben, nämlich hier, hier und hier.

2. Der Leser wird mit Infodump überhäuft

Schreibanfänger meinen es gut und versorgen ihre Leser  – meist zu Beginn der Geschichte – mit haufenweise Informationen, beispielsweise über die Hauptfigur oder die Welt, in der die Geschichte spielt. Aber leider trifft diese Art der Informationsvermittlung heutzutage auf wenig Gegenliebe bei den Lesern. Früher war dieser Stil eher üblich, aber heutzutage hat sich der Lesergeschmack deutlich verändert. Diese wollen statt langatmiger Erklärungen lieber selbst mitdenken, auf Entdeckungsreise mit ihren Figuren gehen und sie und ihre Welt Stück für Stück kennenlernen. Daher weiß ich nicht genau, ob dies ein typischer Anfängerfehler ist, es ist eher eine Gewohnheit aus alten (Schul-)Tagen.
Tipp: Rücke nur die Informationen heraus, die der Leser unbedingt braucht, um die Situation zu verstehen. (Wenn er allerdings nur Bahnhof versteht, ist das auch nicht im Sinne des Autors.) Und den Rest streust du Stück für Stück in die Handlung (siehe Punkt 1, show, don’t tell) ein.

Genaueres kannst du hier nachlesen.

3. Die Erzählperspektive ist unstimmig

Auch ein typischer Anfängerfehler, der vermeidbar ist, wenn man sich kurz informiert. Hier jetzt sämtliche möglichen Perspektivformen zu erklären, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Das habe ich bereits hier versucht.
Nur kurz: Gemeint sind hier nicht Perspektivwechsel bei mehreren POV-Figuren (Point Of View). Diese sind meist säuberlich nach Kapiteln oder mindestens nach Abschnitten auch optisch getrennt.

Gemeint ist das unstete Wechseln des Blickwinkels innerhalb einer Szene, was für die Leserin verwirrend und anstrengend sein kann. Zum einen wird sie ständig aus den Figuren herausgerissen, was die Identifikation mit ihnen erschwert (mit wem soll sie denn jetzt mitfiebern, mit A, B oder gar C?), und zum anderen kommt sie wahrscheinlich irgendwann durcheinander, in wessen Kopf sie gerade steckt. Ganz schön verwirrend!

4. Der Anfang ist langweilig

Ein langweiliger Anfang hält die wenigsten Leser bei der Stange. Mag sein, dass es am Infodump liegt (siehe Punkt 2) oder an klischeehaften Aufsteh-Szenen. Oder das Wetter!
Wenn du es hinbekommst, dass deine Aufsteh- oder Wetter-Szene atemberaubend spannend ist, okay. Jedenfalls sollte der Anfang ein Knaller sein. Assoziationen sollten geweckt werden, das Kopfkino des Lesers sollte sofort in Schwung kommen. Fragen müssen aufgeworfen und vor allem das Interesse an der Hauptfigur geweckt werden.
Und das alles möglichst auf der ersten Seite,  besser noch, im ersten Satz. Ja, wirklich.

Und warum? Heutzutage kauft jeder dein Buch bei Amazon und nahezu jeder wirft vorher einen Blick auf die Leseprobe (wenn ihm das Buch nicht empfohlen wurde). Und da wird eben nur ein kleiner Ausschnitt deines Buches angezeigt. In diesem kleinen Teil musst du den Leser überzeugen, dass dein Buch spannend und lesenswert ist.

5. Das Ende der Geschichte ist unbefriedigend

Genauso gut wie der Anfang sollte das Ende sein. Typische Anfängerfehler sind hier, dass das Ende zu gehetzt kommt, also in ein paar Sätzen abgehandelt wird, oder im Gegenteil, dass es zu lang ist. Beides nicht optimal.
Ganz blöd ist es, wenn dem Autor nichts eingefallen ist, wie er die Fäden zusammenführen könnte und sich einfach alles „durch Zufall” auflöst. Das wirkt dann gleich so, als hätte er keine Lust mehr gehabt, sich das Gehirn zu verbiegen und sich einen originellen Schluss zu überlegen. Schade um das verschossene Pulver.

Wie man ein zündendes Ende schreibt, kannst du hier lesen. Denke daran, ein tolles Ende hinterlässt ein gutes Gefühl beim Leser und er wird sich wohl auch dein nächstes Buch kaufen.

6. Die Konflikte fehlen

Oftmals wird ganz viel Herzblut in den ersten Roman gesteckt. War ja bei mir auch so. Aber auch ich musste bitter einsehen, dass das, was mich ununterbrochen beschäftigte, anderen nur kurz die Augenbraue hochzucken ließ. Wenn Spannung und Konflikte fehlen und die Handlung nur so dahinplätschert, wird die Aufmerksamkeit des Lesers nicht erreicht.

Du brauchst unbedingt einen Hauptkonflikt, der schon auf den ersten Seiten klar wird. Auch die Hauptperson muss ein Ziel haben, auf das sie hinarbeitet und an dessen Erreichen sie möglichst häufig gehindert wird. Konflikte eben. Sie erzeugen die Spannung und die Würze des Buches, ohne die der Leser es sonst weglegen würde.

7. Die Charaktere sind unglaubhaft, klischeemäßig oder eindimensional

Also über gute Charaktere könnte man Unmengen schreiben. Das hab ich auch schon getan, nämlich hier, hier und hier.
Unglaubhafte Charaktere sind einfach nicht genügend durchdacht. Sie handeln einmal so, das andere Mal anders und man merkt einfach, dass das niemals eine reale Person sein könnte, sondern dass sich der Autor leider nicht genügend Mühe gegeben hat. Was tun? Denk dir ein logisches Vorleben deiner Figur aus. Wenn du weißt, wie sie aufgewachsen ist, weißt du auch, wie sie tickt. Hinterfrage die Charaktereigenschaften, die du ihr zuweist, sorgfältig. Nutze wenn du willst einen Charakterbogen.
Klischeemäßige Charaktere sind leider einfach nur langweilig. Meist benutzt man die ersten Stereotypen, die einem so einfallen und das sind natürlich die, über die man schon hundertmal gelesen hat. Was tun? Weiterdenken und sich nicht mit der ersten Idee zufriedengeben. Dann fallen einem plötzlich originellere Alternativen ein.

Eindimensionale Charaktere sind austauschbar. Es spielt keine Rolle, ob Fritz oder Peter die Hauptfigur ist, weil sie sich irgendwie … gleich lesen. Was tun? Gib der Figur etwas Außergewöhnliches (wie bei Harry Potter die Blitznarbe oder die zerbrochene Brille). Etwas, an das man sich erinnert. Das kann ein körperliches Merkmal sein, ein Accessoire, eine hervorstechende Charaktereigenschaft (das wäre sehr gut) oder eine besondere Sprechweise. Oder am besten mehreres zusammen.

8. Die Hauptfiguren machen keine Entwicklung durch

Wenn der Held nach seinem Abenteuer der gleiche ist wie davor, stimmt irgendetwas nicht. Wenn man etwas Einschneidendes erlebt hat (und das sollte der Romanheld, sonst lies dir nochmal Punkt 6 durch), verändert man sich, ob man will oder nicht.

Wenn du das Gefühl hast, dein Protagonist macht keine Entwicklung durch, lies mal hier.

9. Die Geschichte ist gespickt mit Szenen, die die Handlung nicht voranbringen

Szenen, die den Hauptkonflikt nicht vorantreiben, sollten gestrichen werden. Wenn der Leser keinen Sinn dahinter erkennen kann, warum jetzt Bernd zu Rosanne geht und mit ihr einen Kaffee trinkt, obwohl Rosanne hinterher nie wieder im Roman auftaucht, dann sollte der Rotstift angesetzt werden. Hat die Szene keine Funktion, ist sie überflüssig. Punkt.
Ja, das kann furchtbar wehtun. Gerade Schreibanfängern fällt es schwer, geliebte Szenen zu opfern. Aber der Roman kann dadurch besser werden.

Prüfe jede Szene darauf, ob sie ein logischer und notwendiger Teil in der Ereigniskette ist. Bewirkt sie etwas, vermittelt sie neue Informationen, bereitet sie etwas vor? Dann darf sie bleiben, ansonsten – weg damit.

10. Die Dialoge wirken unecht

Natürlich dürfen wir Autoren unsere Romanfiguren nicht wie im echten Leben reden lassen. Das würde sich sehr befremdlich lesen, mit Dialekt und gespickt mit Ähs, unvollständigen Satzanfängen und dergleichen.

Daher gibt es einige Regeln, die beim Schreiben von Dialogen zu beachten sind und die wesentlich zum leichteren Lesen beitragen. Beispielsweise sollte unnötiger Smalltalk vermieden werden. Auch Informationen, die der Autor vermitteln möchte und daher einer Romanfigur in den Mund legt, können leicht gestelzt und künstlich rüberkommen. Wenn du mehr wissen willst, lies hier nach.

11. Der Schreibstil ist schwach

Was ist ein schwacher Schreibstil? Oder anders herum, was ist ein guter Schreibstil? Diese Frage wird wohl nie völlig eindeutig zu beantworten sein, aber dennoch gibt es einige Regeln, die allgemein anerkannt sind, wenn es um schlechten bzw. guten Schreibstil geht. Beispielsweise pflastern Adjektive den Weg zur Hölle, wie Stephen King schon behauptete. Hier kannst du nachlesen, warum das so ist.
Aber Adjektive sind nicht das einzige Übel. Klischeehafte Vergleiche, ausgelutschte Phrasen und Metaphern gelten ebenfalls als schlechter Stil. Irgendwann waren diese Vergleiche wohl mal neu und erschienen den Lesern passend und schön, sodass plötzlich alle diese Phrasen übernahmen. Tja, und nun können wir sie nicht mehr hören.
Zum Beispiel: Sie war hungrig wie ein Bär. Ihm rutschte das Herz in die Hose. Ihr Geduldsfaden riss. Das war nur die Spitze des Eisbergs … ach, da könnte man stundenlang weitermachen. Hier findest du einen Tipp, wie du dagegen angehen kannst.

Und hier oder hier findest du Anregungen, wie du deinen Schreibstil verbessern kannst.

12. Zu viele Rechtschreib- und Grammatikfehler

Last but not least, Rechtschreibung und Grammatik. Schauderhaft, was man da manchmal vorgesetzt bekommt, wenn man Testleserin ist. Wenn man sich beklagt, heißt es: „Das ist doch nur ein Rohentwurf, das verbessere ich dann noch.”
Nein. Das geht gar nicht. Das ist respektlos den Lesern gegenüber. Es geht nicht bei einem Rohentwurf und schon gar nicht in einem fertigen Buch.
Natürlich gibt es Menschen, die mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß stehen. Aber auch dafür gibt es Lösungen, wie beispielsweise eine Rechtschreibüberprüfung, den Duden online oder man wendet sich einfach an eine kompetente Person und bittet sie (und bezahlt sie vielleicht auch), mal drüberzugucken.
Ich persönlich lege Bücher sofort weg, wenn ich im Klappentext einen Rechtschreibfehler entdecke. Denn dann will ich mir nicht ausmalen, was mich im Rest des Buches erwartet. Klingt hart? Das geht aber nicht nur mir so.

Selbstverständlich schleichen sich Rechtschreibfehler in Texten ein und selbst ein professionelles Korrektorat kann keine Garantie auf 100% Fehlerfreiheit geben. Deswegen heißt Punkt 12 auch ZU VIELE Rechtschreib- und Grammatikfehler.

 Hast du deine Anfängerfehler überwunden? Ich finde, manche sind recht hartnäckig und ich muss mich öfter daran erinnern, sie nicht zu begehen. Fallen dir noch mehr Anfängerfehler ein?

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